„Lieber Kuhstall als Ku-Damm.“

Weiyun Liang, die Chinesin, für die im Allgäu immer die Sonne strahlt.

Intakte Natur, Berge, Löwenzahn auf grünen Wiesen, im Sommer Sonne, im Winter Schnee, das war es, was Weiyun Liang sich unter Allgäu vorstellte. Doch statt mit Ruhe empfing das Allgäu die Berliner Chinesin mit prallem Vereinsleben. Ihr Chef hatte ihr die erste Wohnung gleich neben dem Probenraum der Blaskapelle Biesenhofen besorgt. Den Sound der Großstadt war sie gewohnt, der Klang des Allgäus weckte erst ihre Neugier und schließlich die Liebe zur neuen Heimat. Doch eins nach dem anderen. Weiyun Liang war am Ende ihres Ingenieurstudiums für Umwelttechnik und regenerative Energien auf Jobsuche. Bei ihrer Recherche stieß sie auf ein aufstrebendes Allgäuer Unternehmen für Solartechnik. Zwar suchte man dort aktuell keinen neuen Mitabeiter mit ihrer Qualifikation, ihre  Unterlagen schickte sie aber trotzdem. Der Inhaber, ein Musterbeispiel für urtypisch allgäuerisches Unternehmertum (vom Mächler zum Macher), lud sie zu einem Gespräch ein.
Aus drei Stunden wurde ein ganzes Wochenende. Und aus keinem Stellenangebot eine Expansions-Strategie der Firma mit auf Weiyun Liang zugeschnittener Job-Description. Das Unternehmen meldete gerade ein Patent an für ein Kombimodul, das Strom und Wärme aus Sonnenenergie gewinnt. Die subtropischen Zonen Chinas wären nicht nur ein idealer
Absatzmarkt, man könnte vor Ort auch produzieren. Allerdings bräuchte man dafür einen Ingenieur, der Land und Leute kennt, Produktionspartner zertifizieren und Kunden beraten kann. Weiyun Liang hatte die Stelle. Und, weil alles ganz schnell gehen sollte, auch gleich ihre erste Wohnung mit Blasmusik. Längst hat sie diese gegen eine neue komfortable Wohnung getauscht, in der sie mit ihrem Partner lebt. Und weil statt eines Proberaums jetzt ein Kuhstall in der Nähe ist, hat sie sogar gelernt, wie ein Allgäuer Braunvieh gemolken werden will.
In ihr Vaterland reist sie mehrmals pro Jahr zu Messen und wichtigen Geschäftsterminen. Doch spätestens nach einer Woche hören ihre Kollegen Weiyun Liang sagen:
„Wird Zeit, dass wir nach Hause fahren“. Und damit meint sie nicht ihre Geburtsstadt vier Stunden nördlich von Peking.