Mit Herz, Berg und Verstand

Thomas Herzhoff hat es geschafft. In jungen Jahren hat der Wirtschaftsingenieur erreicht, wovon viele Uni-Absolventen ihr Leben lang träumen: eine Festanstellung als Projektleiter bei einem großen, deutschen Automobilhersteller. Doch 2013 kündigt Tom seinen Traumjob, zieht zurück ins Allgäu, macht sich mit einer eigenen Kommunikations- und Designagentur selbstständig und erweckt mit der „Allgäuer Gründervilla“ eine noch nie dagewesene Gründerszene zum Leben.



2012 wird „Isenhoffs Büro“ von Anke Isenberg und den beiden Brüdern Thomas und Philip Herzhoff gegründet. Die Agentur liegt inmitten der Innenstadt Kemptens. Nur einige Meter entfernt beginnt die Fußgängerzone, zahlreiche Cafés säumen den Straßenrand. In den großzügigen Büroräumen im ersten Stock, bekommt man kaum etwas von dem innerstädtischen Treiben mit. Konzentriert sitzen die Ideenentwickler hinter riesigen Monitoren und tüfteln an einem Konzept für einen Neukunden. Agenturhund „Digga“ liegt entspannt auf seiner Hundedecke und betrachtet das kreative Geschehen schläfrig aus den Augenwinkeln. In einer Ecke steht ein Surfbrett, irgendwo im Hintergrund blubbert die Kaffeemaschine. Tom Herzhoff, groß, schlank und mit verschmitztem Grinsen, nimmt uns im Flur in Empfang. Seine dunklen Haare schauen gekonnt verwuschelt unter einer Wollmütze hervor.

Ein sympathischer Typ, mit dem man sich spontan auf einen Kaffee treffen würde und dem man, auf den ersten Blick, nicht ansieht, wie weit er es bereits in seinen jungen Jahren geschafft hat.

Als Kind zieht der gebürtige Münchner mit seinen Eltern ins Allgäu. In Kempten macht er die Mittlere Reife, besucht anschließend die Fachoberschule und beginnt 2004 sein Studium zum Wirtschaftsingenieur mit Fokus Automobilindustrie. Sein Ziel: eine Karriere beim Münchner Autobauer BMW. Während des Studiums macht er ein Praktikum in der Zentrale und ergattert einen der begehrten Werkstudentenjobs. Wenig später hält er sein Diplomzeugnis in Händen und zieht mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Jasmin von Kempten in seine Geburtsstadt München. Sie wird dort eine Schauspielausbildung beginnen, sein Traum ist weiterhin eine Karriere bei BMW. Ein viertel Jahr saugt er die Stadt in sich auf, erkundet auf seinem alten Rennrad die Straßen und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Seine erste Anstellung hat er bei einem externen Dienstleister, später wird er direkt bei BMW für ein Projekt eingesetzt. Der engagierte und ehrgeizige junge Mann fällt auf: mit 25 bekommt er eine Stelle im Autokonzern. Nach kurzer Zeit hat er die Projektleitungsfunktion inne, trägt die fachliche Verantwortung für sein Team. Drei Jahre nach seinem Uniabschluss nimmt Tom die nächste berufliche Hürde: die langersehnte Festanstellung. Die nächsten Jahre verbringt er wie im Rausch. Er arbeitet viel, ist extrem ehrgeizig, beißt sich in seinen Aufgaben fest. Tom ist Projektmanager und Prozessoptimierer in einem und gibt sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden.

„Und plötzlich verändert ein leerstehender Bauernhof dein Leben“,

schüttelt Tom noch heute leicht ungläubig den Kopf. Von Beginn an, hegt er mit seiner Frau Jasmin den Plan, im Alter ins Allgäu zurückzukehren und dort einen Hof zu kaufen. „Zwar hatten wir von unsere Spinnerei immer wieder mal im Freundes- und Bekanntenkreis erzählt, aber nie wirklich aktiv nach einer möglichen Immobilie Ausschau gehalten“, so Tom. Durch die Eltern erfahren sie eines Tages von einem leerstehenden Bauernhof in der Nähe von Kempten und sind sofort Feuer und Flamme. „Das war ein Hof wie aus dem Bilderbuch“, schwärmt Tom, „gesäumt von alten Obstbäumen und mit einem unverbaubaren Blick auf die Allgäuer Bergkette.“ Der Kauf wird wenige Stunden später mit Handschlag besiegelt. Binnen einer Woche stellt das Paar eine Finanzierung auf, marschiert von einer Bank zur nächsten und schmiedet Zukunftspläne. Die Wochenenden verbringen die beiden nun regelmäßig im Allgäu. Zehn Monate lang investieren sie ihre freie Zeit in die aufwändige Renovierung des Hofes. Es ist auch die Zeit, in der Tom als Geschäftsführer bei „Isenhoff Design“ (heute: Isenhoffs Büro) mit einsteigt. Er kann gut mit Zahlen, kümmert sich zunächst nebenberuflich um die anfallenden, buchhalterischen Aufgaben, während sich sein Bruder und Fotograf Philip und Designerin Anke auf die Kreativprojekte stürzen. Ein Fulltime-Job bei BMW, die Arbeit auf der Baustelle am Wochenende und nebenher die unternehmerische Herausforderung mit der eigenen Agentur – im Frühjahr 2013 trifft Tom mit seiner Frau Jasmin eine Entscheidung: die Zukunft der beiden liegt im Allgäu. Tom kündigt seine Festanstellung in München und schreibt sich für den Masterstudiengang „Unternehmertum, Innovation und Leadership“ an der Hochschule Kempten ein. Sein nächstes Ziel: die erfolgreiche Selbstständigkeit.

„Ich wollte schlichtweg nicht mehr den Durchschnittswerdegang einer Führungskraft gehen und nicht von möglichen Fürsprechern in den Chefetagen abhängig sein. Ich wollte selbst etwas aufbauen, mein eigenes Ding machen“,

begründet Tom seine damalige Motivation.Die junge Kreativagentur bietet ihm dabei einen tollen Einstieg. Einerseits lernt er die Gründerpraxis im Agenturalltag kennen, andererseits baut er sein theoretisches Wissen und unternehmerisches Handwerkszeug in seinem Masterstudium aus. Schritt für Schritt knüpft er in Kempten Kontakte, besucht Veranstaltungen, diskutiert mit anderen Unternehmern abends beim Stammtisch. Bei einer Gründungsveranstaltung lernt er schließlich Simon Schnetzer kennen. Er und der junge Gründer-Dozent sind sofort auf einer Wellenlänge und Tom ist begeistert von Simons Vision, im Allgäu, fernab der weltweit bekannten Start-up Metropolen, eine junge und innovative Gründerszene aufzubauen. Die beiden machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Immobilie und werden in der Nähe des Kemptener Ostbahnhofs fündig: es ist die Geburtsstunde der Allgäuer Gründervilla – Co-Working Space, Startup-Hub und Innovationsnetzwerk in einem.


„In den letzten drei Jahren haben wir die Gründerszene im Allgäu gut nach vorne gebracht“, blickt Tom heute stolz auf die arbeitsintensive Zeit zurück. Neben einem Barcamp und einem regelmäßigen Gründer-stammtisch, haben er und Simon gemeinsam mit der Allgäu GmbH und dem Start-up Center der Uni Kempten, die Allgäuer Gründerwoche ins Leben gerufen. Seit drei Jahren wird im Rahmen der Veranstaltung der Allgäuer Gründerpreis an innovative Start-ups verliehen. „Wir haben über die letzten Jahre ein Pflänzchen gesät, es groß gezogen und ihm eine Heimat gegeben“, fasst Tom rückblickend zusammen.

„Wir haben unsere einstige Vision in die Realität umgesetzt. Heute findet man hier in Sachen Gründerkultur vieles, was man auch von Großstädten kennt." 

Klar existiert in der Stadt eine ganz andere Dynamik, “ räumt er ein, „doch die Lebensqualität bei uns im Allgäu, ist weitaus besser. Die Städter suchen heute nach ihrer persönlichen Work-Life Balance – hier im Allgäu leben wir eine Life-Life Balance“, schwärmt Tom. „Du hast hier deine sozialen Kontakte, man trifft sich auf der Straße oder läuft sich spontan auf dem Wochenmarkt über den Weg. Noch dazu lebst du hier inmitten der Natur. In nur wenigen Autominuten bin ich von Kempten aus in den Bergen. Ich könnte allein Stunden damit verbringen, in unserem Garten zu sitzen und die Berge anzuschauen. Für manchen mag sich das jetzt vielleicht komisch anhören, aber für mich sind die Berge ein wichtiger Bestandteil im Leben um glücklich zu sein. Wo Berge sind, da ist für mich Heimat“, so Tom. Und auch die Lebenshaltungskosten und Mieten sind laut Tom im ländlichen Raum erschwinglicher: „Ich kenne viele Unternehmer, die einst in der Stadt gegründet haben und auf Grund der horrenden Preise und Lebenshaltungskosten später ins Allgäu gezogen sind.“

Tom ist sich jedenfalls sicher: „Aus dem Allgäu werde ich nicht mehr weggehen. Und falls ich doch mal das Großstadtleben vermissen sollte,“ grinst er zum Abschied verschmitzt, „bin ich in knapp einer Autostunde in München.“

Kontakt: 

Thomas Herzhoff 
Isenhoffs Büro 
Bahnhofstraße 18
87435 Kempten

Email: contact@isenhoff.de
Tel.: 0831 930 630 787
Web:  www.isenhoff.de

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