out for space GmbH

KARUUN®

Der German Design Award zählt zu den anerkanntesten Design-Wettbewerben weltweit. Unter den jährlichen Preisträgern finden sich Pioniere aus dem Produkt- und Kommunikationsdesign, die alle auf ihre Art mit ihrer Arbeit wegweisend in der internationalen Designlandschaft sind. Im Frühjahr 2016 ging der Preis an die Kißlegger Firma „out for space“. International sind die beiden Jungdesigner Julian Reuter und Peter Kraft fast schon so etwas wie Stars, doch zu Hause, im Allgäu, wissen die wenigsten von dem Design-Start-up, das seit Herbst in der Jägerstraße 23 in Kißlegg seine Büro- und Arbeitsräume hat, und mit dem neu-erfundenen Werkstoff „karuun“ den gesamten Markt revolutionieren könnte.

Ortstermin mit Julian Reuter und Peter Kraft in ihrer Design-Werkstatt im Herzen Kißleggs. Wenn man nicht wüsste, dass man sich mitten im Allgäu befindet, könnte die Werkstatt auch in einer der international renommierten Start-up Metropolen wie Berlin, London oder Tel-Aviv stehen. Die ehemaligen Räumlichkeiten der Schreinerei Evers sind zu einem hellen, offenen Büro umfunktioniert worden. Nebenan wird experimentiert und getüftelt, in der angeschlossenen Tee- und Kaffeeküche brummt die Espressomaschine. Memoboards an den Wänden verkünden die nächsten unternehmerischen Meilensteine, allerlei Skizzen und Materialmuster liegen bunt über dem gemeinsamen Schreibtisch verstreut. Es fehlt nur noch der Kicker im Eck und die Fantasie eines jungen, kreativen Start-up Büros wäre vollkommen.

Von der Bachelorarbeit zum Design-Start-up

„Wir machen in Rattan“, scherzt Julian Reuter zu Beginn des Gesprächs. Den Grundstein für das Unternehmen„out for space“ legte der 30-jährige mit seiner Bachelorarbeit über die exotische Holzart, die hauptsächlich im asiatischen Inselstaat Indonesien angebaut wird. „Ich war bereits während meines Designstudiums häufig in Indonesien zum Surfen und wollte, wenn möglich, das Schöne mit dem Nützlichen verbinden“, grinst Reuter. Recht schnell war dem damaligen Designstudenten klar, dass er das dortige Rattan, das man in Deutschland bislang meist nur in Form von Flechtmöbeln kannte, zum Thema seiner Bachelorarbeit machen wollte. „Ich habe lange das Material analysiert, es erforscht und damit experimentiert“, erzählt Reuter weiter, „und irgendwann begriff ich, dass man den Rohstoff Rattan bislang komplett falsch genutzt hatte.“ Wieder zurück in Deutschland kontaktierte Reuter seinen Freund und Studienkollegen Peter Kraft, heutiger Mitgründer der out for space GmbH und erzählte ihm von seiner Idee. Dies war die Geburtsstunde der heutigen Marke „karuun“.

„Eigentlich machen wir nichts anderes, als die Natur zu adaptieren“, fährt Reuter fort. „Rattan ist ein langes Lianengewächs und durchsetzt mit feinen Kapillaren, durch die sich die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser versorgen kann. Nun war mein Gedanke, diese Poren mit Farbe oder biologischem Festiger zu füllen. Man würde so dem Holz nicht nur eine charakteristische Färbung verpassen, sondern könnte am Ende vermutlich auch einen witterungsbeständigeren und stabileren Werkstoff herstellen“, so Reuter. Gemeinsam mit Peter Kraft machte er sich an die Arbeit und baute in Zusammenarbeit mit dem Innovationszentrum für deutsches Flechthandwerk im oberfränkischen Lichtenfels eine Maschine, um seine Theorie einem Praxistest zu unterziehen. „Als wir gemerkt haben: „Hey, das funktioniert ja“, haben wir das Patent angemeldet“, blickt Reuter heute zurück.

Premiere auf der Mailänder Möbelmesse

Dieser ganze Prozess zog sich nicht über wenige Wochen und Monate dahin, sondern dauerte insgesamt drei Jahre. Der erste Businessplan im Rahmen des EXIST Gründerstipendiums wurde erstellt, eine weitere Maschine wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg konstruiert und die erste Möbel- und Wohnaccessoire-Kollektion aus Prototypen zusammengestellt. Im April 2015, nach zwei Jahren Entwicklungszeit, traten die beiden Jungdesigner das erste Mal mit ihrer Neuheit karuun in die Öffentlichkeit. „Wir hatten einen kleinen Stand auf der Mailänder Möbelmesse und haben dort erstmals uns und karuun präsentiert“, erzählt Julian Reuter voller Begeisterung. Noch heute glitzert es in seinen Augen, wenn er an die Messe zurückdenkt. „Von jetzt auf nachher befanden wir uns in der Design-Championsleague. Namhafte Firmen wie WMF, Lenovo, BMW, Vitra oder Thonet kamen an unseren Stand und interessierten sich für karuun. Für uns war dieses Feedback eine tolle Bestätigung.“

Kißlegg als perfekter Unternehmensstandort

„Irgendwann standen wir schließlich vor der Frage, an welchem Ort wird am besten Gründen sollen“, blickt Reuter zurück. „Letztendlich fanden wir hier, in unserer ehemaligen Heimat, genau den richtigen Platz. Hier im Allgäu wird das Handwerk noch groß geschrieben und durch die günstige Lage sind wir in kürzester Zeit bei unseren Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Natürlich ist es auch speziell in der Anfangsphase ein Vorteil, wenn Familie, Freunde und Bekannte nah am Ort sind. In München würden wir als junges Start-up auch viel weniger auffallen und müssten bei den fünf big Playern mit im Boot schwimmen, um überhaupt gesehen zu werden“, sagt Julian Reuter. Nach längerer Suche hatten die Unternehmer die Zusage für die Werkstatt in Kißlegg und kurz darauf flatterte auch bereits die Einladung zur Verleihung des German Design Awards ins Haus. „Es ist schon krass wenn man heute auf diese kurze Zeitspanne zurückschaut“, schüttelt Reuter den Kopf. „Am 23. Dezember 2015 haben wir unser Unternehmen gegründet und nur zwei Monate später erhältst du so etwas wie den Design Oscar – das muss man erst einmal verdauen. Aber der Preis verdeutlichte uns auch, dass wir mit karuun anscheinend voll den Nerv der Zeit treffen, wenn wir nicht, langfristig gedacht, sogar eine kleine Revolution damit ins Rollen bringen können“, so Reuter.

Auf den ersten Blick mag solch ein Satz aus dem Mund eines Jungdesigners vermutlich etwas größenwahnsinnig klingen, nicht jedoch, wenn man sich die technologische Innovation „karuun“ einmal aus nächster Nähe anschaut und die Dimensionen erkennt, in denen dieser neue Werkstoff Lösungen anbietet. „Letztendlich reden wir noch immer von Rattan“, setzt Julian Reuter an, „nur in seiner hochwertigen Form. Mit unserer Technologie ermöglichen wir dem Werkstoff Rattan quasi ein Revival. Kannte man es bisher nur als günstige Gartenmöbel, ermöglichen wir dem Markt nun, Rattan als innovativen, witterungsbeständigen, stabilen, langlebigen und zugleich umweltfreundlichen Werkstoff wiederzuentdecken.“

Die Marke karuun® verspricht langlebige und hochwertige Qualität

Rattan bietet, laut Reuter, viele Vorteile gegenüber seines Naturkonkurrenten Bambus. „Rattan lässt sich sehr einfach verarbeiten, splittert nicht und im Vergleich zu Bambus, reden wir nicht nur von einer Holzhülle, sondern haben einen ganzen Querschnitt“, fährt Reuter fort. Man habe sich in der Vergangenheit schlichtweg nicht ausreichend mit dem Holz beschäftigt, so der Jungdesigner. „Die meisten kennen Rattanmöbel vermutlich von ihren Urlauben in Asien. Hier stehen die Tische und Stühle meist das ganze Jahr draußen. Der Trend schwappte irgendwann nach Europa, nur wurde nicht beachtet, dass das hiesige Klima ein ganz anderes ist. Die Folge war, dass die bislang nicht witterungsbeständigen Rattanmöbel schnell im Outdoorbereich verrotteten und das Image mit der Zeit zerstört war. Später flutete dann das billige Plastikpendant Polyrattan den Markt und drängte das Naturprodukt komplett in den Hintergrund. „Deswegen starten wir auch unter neuem Namen. Der Kunde soll künftig mit karuun hochwertige und langlebige Qualität verbinden“, sagt Reuter. Der Name stammt aus dem Malaiischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Schatz“. „Uns war wichtig, dass sich letztendlich auch die Indonesier mit der Marke identifizieren können, dass sie den Namen verstehen. Weg vom ehemaligen Billigstoff, hin zu einem wertvollen Rohstoff, der nicht nur die indonesische Wirtschaft ankurbeln, sondern auch gleichzeitig die fortschreitende Rodung des Regenwaldes stoppen könnte. Denn: Rattan wächst nur im Regenwald. Sollte der Werkstoff auf dem Markt einschlagen und Trends setzen, würde dies mittel- und langfristig auch eine höhere Nachfrage mit sich führen. Die indonesischen Bauern hätten fortan eine lukrative Alternative zu den heutigen Monokulturen in Form von Palmölplantagen und der künftige Bestand des Regenwaldes wäre gesichert.

„karuun ist eine Weltneuheit und eröffnet uns aktuell so viele Möglichkeiten, die wir alle alleine gar nicht umsetzen können“, so Reuter. „Unsere Kontakte kommen bislang aus der Bauindustrie, dem Automobilbereich, der Möbel- und Outdoorindustrie. karuun ist auch eine Innovation für Allergiker und Eltern müssen damit künftig nicht mehr befürchten, dass sich ihre Kinder an Holzsplittern verletzen oder giftige Dämpfe einatmen. Wenn wir es schaffen sollten, karuun mit heute bekannten Thermoplastiken in Konkurrenz zu stellen, dann könnten wir mit unserer Neuheit die ganze Gesellschaft verändern“, schwärmt Reuter. Aktuell sind die beiden Designer auf der Suche nach Firmen aus der näheren Region, die sich auf die Neuheit einlassen. Daneben laufen Bewerbungen für weitere Förderprogramme und Preise. „Wir waren jetzt erst in Stuttgart und wurden zu den fünf besten Gründern im Land ausgelobt. Wir bewerben uns aktuell für den Innovationspreis des Landkreises, sind beim Schwäbisch Media Gründerpreis mit dabei und wurden vor kurzem in das „Junge Innovatoren“-Förderprogramm des Landes aufgenommen. Im Herbst steht dann die internationale Möbelmesse in London an“, zählt Reuter auf.

Das Projekt „Neue Werkstatt“ steht nebenan in den Startlöchern

Und auch sonst, dürfte es den Jungdesignern nicht langweilig werden. Im Nebenraum steht schon ihr nächstes Projekt in den Startlöchern – diesmal aus der Feder von Peter Kraft. „ Man steckt schließlich so viel Arbeit in eine Bachelorarbeit, warum sollte nicht der künftige Beruf darauf aufbauen“, schaltet sich nun auch Peter in das Gespräch mit ein. „Für das Projekt „Neue Werkstatt“ haben wir, im Vergleich zu unserem karuun -Projekt in Indonesien, relativ kurze Wege. Es ist ein Designprojekt für regionale Handwerker, die aus regionalen Produkten wie Fichtenholz, Produkte mit hohem Qualitäts- und Designanspruch fertigen, die gleichzeitig auch noch erschwinglich sind“, führt Kraft weiter aus. Im Nebenraum steht der Prototyp eines massiven Holzbettes, das sich in nur acht Teile zerlegen lässt. „Unsere Philosophie bei „out for space“ ist es, intelligente Produkte auf den Markt zu bringen. Man macht sich bislang viel zu wenig Gedanken darüber, wie ein Produkt entsteht und was nach der Nutzung damit passiert. Man kauft heute ein Möbelstück, und morgen, wenn einem der Look nicht mehr gefällt, bringt man es zum Wertstoffhof. Das Bett hier ist das beste Gegenbeispiel: das klassische Design übersteht jede Trendwende, die hochwertige Qualität verspricht eine lebenslange Nutzung und man kann es in acht handliche Teile zerlegen und so leicht überall hin transportieren“, so Kraft abschließend. Dass auch dieses Projekt den Nerv der Zeit trifft, zeigt sich anhand der regen Nachfrage. Unter anderem hat das Qualitätsunternehmen Manufactum bereits sein Interesse bekundet. Es würde das Bett gerne künftig in sein Angebotssortiment mit aufnehmen.

98 Prozent der weltweiten Gründer imitieren bereits existierende Produkte und Dienstleistungen. Nur zwei Prozent starten mit einer Idee, die es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Das junge Kißlegger Startup „out for space“ gehört zu diesen seltenen zwei Prozent und mit den „Milliarden Ideen im Kopf“ , wie die beiden Jungdesigner es im Gespräch formulierten, wird die Branche auch zukünftig noch einiges aus Kißlegg hören.

Kontakt:

Julian Reuter (Managing director, co-founder)
Peter Kraft (Managing director, co-founder)
Felix Wurster (Head of Sales and Marketing)
Jägerstraße 23
88353 Kißlegg

E-mail:info@outforspace.com
Telefon:+49 7563 913 8401
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