Senioren WG

Mit der Zusage zum Forschungsprojekt mit dem Titel „Aufbau eines Qualitäts-Management-System für die Organisation der Wohngemeinschaft Künersberg“ nach §45f SGB XI steht der Gemeinschaft von Mai 2015 bis Dezember 2017 ein Expertenkreis zur Seite, der die Qualitätsentwicklung im Rahmen der selbstbestimmten Senioren-Wohngemeinschaft fördert.

Die "Wohngemeinschaft Künersberg" in der Gemeinde Memmingerberg gilt als modellhaft für die Region Allgäu. Für die Aufbauphase wurde das Wohn-Projekt im Zeitraum von Ende 2011 bis Mitte 2013 über die Förderrichtlinie "Neues Seniorenwohnen" des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert. Die Förderrichtlinien setzten eine Konzeption voraus, die deutliche Schwerpunkte in den Bereichen "Selbstbestimmtes Wohnen", "Wahlfreiheit der Dienstleistungen" sowie "Nachhaltigkeit" vorsah. Die Besonderheit an der entstandenen Wohnform liegt darin, dass für die Erbringung von Pflegeleistungen sowie Betreuungs- und Hauswirtschaftsleistungen zwei unterschiedliche Dienstleistungsanbieter beauftragt wurden. Dies stärkt die Unabhängigkeit der Mietergemeinschaft von einem der Anbieter und stärkt die Aspekte der Selbstbestimmung und Wahlfreiheit. Systemisch betrachtet entstand mit der Wohngemeinschaft Künersberg ein selbstverwaltetes, komplexes Organisations-System, dass sich durch eine Vielfalt an Akteuren und Talenten auszeichnet. Über die Integration der Angehörigen und Freiwilligen der Ehrenamtlichen Demenz-Hilfe Unterallgäu konnte das bürgerschaftliche Engagement sehr gut einbezogen werden. Zudem ist eine Lerngemeinschaft entstanden, die sich Methoden erschließt um ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu fördern.

 

Für die Weiterentwicklung des Wohngemeinschafts-Konzepts ist es sinnvoll, selbst gewählte Methoden und Elemente eines Qualitätsmanagement-Systems einzuführen, um eine weitere Annäherung an die gestellten allgemeinen Zielsetzungen zu erreichen. Die Gemeinschaft möchte Instrumente und Methoden erarbeiten, die es den Leitungs- und Steuerungsbeauftragten ermöglichen, die Organisationsentwicklung noch besser auf die fest gelegten Ziele der Wohngemeinschaft auszurichten.

Die Entwicklungsgeschichte der Wohngemeinschaft Künersberg zeigt, das mit dem Auftreten neuer Mieter, Angehöriger oder Mitarbeiter der Gesundheitsdienste neue Bewegungen im sozialen Gefüge der Gemeinschaft entstehen. Der Transparenz von Prozessen und Zuständigkeiten kommt eine entscheidende Rolle zu, um Konflikte und Unzufriedenheiten zu vermeiden. Es erscheint wichtig, das die Entscheidungsträger und Verantwortlichen der beauftragten Dienste gemeinsame Vorgehensweisen entwickeln, wie ein wachsamer Blick auf die Organisationsentwicklung aufrechterhalten werden kann. Durch das Mehr an Transparenz, können Fehler im Vorfeld vermieden und die Kultur aktiver Problemlösung gestärkt werden. Ein positives Grundklima überträgt sich auf die Gemeinschaft. Damit wird die Gesundheit aller Akteure gefördert. Das Konzept des selbstbestimmten Wohnens in der Wohngemeinschaft Künersberg und der Ansatz der Kundenorientierung eines ganzheitlichen Qualitätsmanagements ergänzen sich. Die Mieterinnen und ihre Angehörigen treten dabei selbst als Auftraggeber auf.

Innovationspotential ist darin zu sehen, dass nicht die Organisation einzelner Dienstleistungsanbieter Gegenstand der Betrachtung ist, sondern konsequent die Perspektive der Nutzer eingenommen wird.