Ein Rahmen für dich! - Porträt aus der Pflege im Allgäu

A bissle busserln hat no nie gschadet!

Diese Antwort zweier verliebter Bewohner ist Andrea besonders in Erinnerung geblieben und bringt sie heute immer noch zum Lachen - Ein Porträt über Andrea, ihren Beruf in der Pflege und ihren Alltag im Seniorenzentrum im Allgäu.

Andrea Freund ist 48 Jahre alt und stellvertretende Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum in Buchenberg. Mittlerweile arbeitet sie schon mehr als ihr halbes Leben in der Pflege, nämlich seit über 28 Jahren. In dieser Zeit hat Andrea viele schöne Geschichten erlebt. Ein Bewohner und eine Bewohnerin, die im hohen Alter noch einmal eine neue Liebe entdeckten oder jeden Morgen von einer noch leicht verschlafenen Bewohnerin mit verstrubbelten Haaren und einem duftenden Kaffee in der Hand herzlich begrüßt zu werden. Genau wegen diesen Momenten liebt Andrea ihren Beruf in der Pflege. 

Ich will in die Pflege, ganz klar!

Für Andrea stand bereits mit 16 Jahren fest: ich will einen Beruf in der Pflege! Nach ihrem Schulabschluss an der Hauswirtschaftsschule besuchte sie die Altenpflegeschule in Kempten. Seit ihrem Examen dort war sie zunächst Wohnbereichsleitung, bevor sie eine Ausbildung zur Gerontofachkraft machte. Nach dreijähriger Elternzeit ist sie wieder in den Nachtdienst eingestiegen und hat schließlich vor fünf Jahren eine Ausbildung zur Pflegedienst- und Einrichtungsleitung absolviert. Danach leitete sie drei Jahre lang ein Seniorenheim, bevor sie sich dafür entschied, wieder näher am Menschen zu arbeiten und schließlich hier im AllgäuStift Seniorenzentrum in Buchenberg landete.

Entschleunigung. Mensch. Mittelpunkt.

Was ist für Andrea so besonders an diesem Beruf? Der Umgang mit den Menschen! Die Bewohner*innen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten zu dürfen und dabei auch die Dankbarkeit zu spüren, für das, was das Team für die Bewohner*innen und auch die Angehörigen leistet, ist eine ganz besondere und unbeschreibliche Erfahrung. Zu sehen, dass mithilfe der Pflegefachkräfte, ein achtzigjähriger, der als Pflegefall ins Heim kommt, nach einer Weile wieder am Gehwagen einige Schritte laufen kann, oder jemand irgendwann wieder selbst den Löffel halten kann – das sind die Momente, die Andrea nach der langen Zeit in der Pflege immer noch an ihrem Job begeistern.

Als Einrichtungsleitung sind viele dieser Momente für Andrea selten geworden. Zahlreiche bürokratische Hürden, die ständige Erreichbarkeit und vor allem auch die sehr hohen Anforderungen waren Gründe für einen beruflichen Wechsel. Weg von der Einrichtungsleitung und der durchgehenden Arbeit am Computer und wieder zurück zur Arbeit mit den Menschen. Als stellvertretende Pflegedienstleitung steht für Andrea täglich die Grundpflege der Bewohner*innen, Arztvisiten, die Medikamentenversorgung und, wenn die Zeit reicht, auch die Beschäftigung der Bewohner*innen auf dem Programm. Zusätzlich übernimmt sie das Büro, wenn ihre Chefin außer Haus ist.

Wir brauchen Macher.

Wenn man eine Teilzeitstelle hat, dann arbeitet man auch nur Teilzeit. Klingt eigentlich logisch, doch die Realität in der Pflege sieht oft anders aus. Eine der größten Probleme ist die Dienstplanverlässlichkeit. Es gibt kaum einen Monat in dem der Dienstplan genauso bleibt, wie er geplant wurde. Kaum hat Andrea ihn aufgehängt kann er schon wieder neu geschrieben werden, weil ein Kollege oder eine Kollegin krank ist oder ausfällt. Nun muss natürlich jemand einspringen, damit die Bewohner*innen versorgt sind. Doch um dieses Problem zu lösen, braucht es deutlich mehr Personal – welches aber nur schwer zu finden ist.

Seit Andreas Ausbildung vor 28 Jahren hat sich in der Pflege vieles verändert. Erfreulicherweise vor allem zum Positiven: Modelle wie die Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege oder auch die Tagespflege wurden eingeführt. Es gibt mehr Ansprechpartner*innen und Entlastungen vor allem durch die Unterstützung von Wundmanager oder Hospizbegleiter*innen.

Dennoch besteht immer noch Handlungsbedarf: Die Probleme sind allen bekannt und wurden viel diskutiert. Mangelnder Nachwuchs an Pflegekräften, Umorientierungen von Pflegepersonal, Burn-outs, zu wenig Betten für Pflegebedürftige, eine älter werdende Gesellschaft und so weiter.  

Andreas Eindruck: Der Wille ist zwar da, aber keiner schafft es, bei den Herausforderungen der Pflege den ersten Stein in die Hand zu nehmen. Es müssen viel mehr Pflegefachkräfte in den politischen Prozess miteinbezogen werden, um den riesigen Berg der Pflege gemeinsam zu erklimmen und anzugehen. Es werden laut Andrea auch viele gute Sachen angedacht, die aber in der Praxis für mehr Arbeit sorgen. Das würde sich vermeiden lassen, wenn die Nähe zum Personal gesucht wird und die Zusammenarbeit enger wird.

Eine ganz besondere Weihnachtsstimmung

Auch im Seniorenzentrum von Andrea sind die Weihnachtsvorbereitungen schon in vollem Gange. Die Weihnachtsdekoration hängt schon, die Kerzen auf dem Adventskranz sind angezündet und es wird fleißig gebastelt und gebacken. Als krönender Abschluss wird bald auch der Weihnachtsbaum festlich geschmückt. Für Andrea ist Weihnachten in der Pflege eine ganz besondere Zeit, denn in der Weihnachtszeit herrscht immer eine sehr besondere und friedliche Atmosphäre. Wenn nichts dazwischen kommt, dann muss Andrea dieses Jahr an Weihnachten nur an zwei Tagen arbeiten und kann die freie Zeit mit ihrer Familie beim Plätzchenbacken und gemeinsamen Spieleabenden genießen.