Resi Agentur

Werbeagentur für Landwirte und Direktvermarkter

Das schiefe Bild von der Landwirtschaft geraderücken, das möchte Carolin Nuscheler erreichen. Dazu kann jeder einzelne Landwirt beitragen. Mit einer clevereren Kommunikation und dem Mut, sichtbar zu werden und mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. Um Landwirte, Ferienhöfe und Direktvermarkter genau dabei zu unterstützen, gründet sie 2018 die Resi Agentur.

„Da muss doch jemand was machen.“

Carolin Nuscheler will der Landwirtschaft ein Gesicht geben, dem Verbraucher ermöglichen, den Landwirt kennenzulernen und zu erfahren, wer er ist. Als Bauerstochter fühlt sie sich der Landwirtschaft verbunden und wechselt daher nach ihrem Volontariat und ihrer Tätigkeit als Redakteurin beim Münchner Merkur als festangestellte Redakteurin zum deutschen Landwirtschaftsverlag. Dort führt sie im Rahmen ihrer Laufbahn zahlreiche Gespräche mit Landwirten und Experten aus dem Agrar-Bereich.

Als sie immer wieder um Tipps und Hilfestellungen für Marketing, Sichtbarkeit und soziale Medien gebeten wird, erkennt Nuscheler einen Bedarf. Vor allem junge, innovative Landwirte, die den Hof vor wenigen Jahren übernommen und das Konzept verändert haben, machen sich Gedanken über die Vermarktung ihrer Erzeugnisse. „Im Rahmen der Möglichkeiten habe ich zwar geholfen, aber mehr als einen schnellen Rat konnte ich da nicht geben“, erzählt sie.

Der Gedanke „da muss doch jemand was machen“ lässt sie nicht los. Obwohl sie das nicht geplant hatte - „selbständig machen war nie mein Ziel“ – recherchiert sie, stellt fest, „da macht sonst niemand was“ und entscheidet „also dann muss ich das jetzt machen.“ Um das Defizit am Markt zu füllen und den Bedarf der Landwirte zu bedienen, gründet sie die Werbeagentur Resi = Regionale Erzeugnisse, starkes Image.

„In meiner vorherigen Position konnte ich höchstens Rat geben, aber es braucht auch Taten.“

Damit sie neben der Beratung auch die Umsetzung ermöglichen kann, arbeitet Nuscheler mit einem Pool an Experten, darunter freie Webdesigner, Fotografen und Grafikdesigner unterschiedlicher Stilrichtungen sowie Webentwickler. Von ihr kommt der Gesamtüberblick, das Konzept und der Text.

„Den Anfang einer öffentlichen Kommunikation macht oft ein Logo, das überhaupt erstmal die Identifikation mit dem Betrieb erlaubt“, beschreibt Nuscheler einen typischen Ablauf eines Projekts. „Das ist auch ein guter Einstieg für die Landwirte, um über den eigenen Betrieb zu reflektieren und es erlaubt mir, ihn gut kennenzulernen.“

Viele Kunden wollen vor allem das, jemanden mit modernen Ideen, der die Branche versteht, auch mal kritische Fragen stellt und nachhakt. „Das kann nur jemand leisten, der sich in der Branche auskennt und sich mit dem Betrieb beschäftigt.“ Und so ist sie dann oft ein fragendes und aktivierendes Gegenüber für die Landwirte und holt sie so aus dem Komfortbereich heraus, „Es kommt auch vor, dass mich jemand einen Tag als Beraterin bucht, ohne dass sich eine Umsetzung daraus entwickelt“, so Nuscheler. Die könne dann auch gerne im Nachgang mit einem Dienstleister aus der Region erfolgen.

So unterschiedlich die Kunden von Resi - vom Demeter-Milchbetrieb mit höchster Bio-Stufe über den großen Agrar-Betrieb bis hin zum Ferienhof - so unterschiedlich sind auch deren Bedürfnisse. Manche brauchen eine Website oder wollen ihrer bestehenden neues Leben einhauchen, andere wollen eine Facebook-Seite oder ein Instagram-Profil. Nuscheler hat wie viele Dienstleister „über Pakete nachgedacht, aber meine Kunden schätzen genau das Individuelle an der Zusammenarbeit mit mir. Sie wollen nicht von jemandem betreut werden, der gestern sein Standardprogramm beim Automobilzulieferer abgeliefert hat und heute den Fußballverein berät.“

„Flexibel bleiben, mutig, aber auch vorsichtig, und nicht jedem Trend oder Tipp hinterherlaufen.“

So stellt Nuscheler ihre bodenständige Haltung zum Unternehmertum dar, die auch hervorragend auf ihre innovativen, aber geerdeten Kunden zutrifft. „Man muss sich wohlfühlen mit den eigenen Entscheidungen, damit, wie man seinen Betrieb vermarktet und ausbaut, aber auch selbstkritisch bleiben.“

Sie hat aus der Anstellung heraus gegründet. Als sie ihre erste Idee aus dem Sommer 2017, damals noch für eine Plattform zur Vermarktung, in ersten Gesprächen testet, bestätigt sich, dass es einen dringenden Bedarf gibt. Sie hat dann „die Ohren offengehalten, alles aufgesaugt, das Thema immer wieder bei verschiedenen Experten angesprochen“. Die Plattform verwirft sie, weil zu einem erfolgreichen Marketing, wie sie es sich für ihre Kunde wünscht, idealerweise mehrere Bausteine gehören. Im Oktober 2018 gründet sie Resi, nutzt die ersten Monate zum Aufbau der eigenen Website und für den Businessplan. Ihr erstes aktives Geschäftsjahr ist 2019. Sie sieht, dass die Idee aufgeht.

Nicht alles ging dabei nach Plan. „Ich dachte, meine Kunden kommen einmal, wir machen ein Projekt und dann sind sie versorgt“, erzählt Nuscheler. Tatsächlich aber kommen die Kunden immer wieder beziehungsweise bleiben ihr treu. „Es ist eher ein Zusammenspiel. Meine Kunden kommen mit immer neuen Themen und ich bringe Ideen ein, die für sie interessant sein könnten, zum Beispiel ein Blühprojekt, bei dem sie mitmachen können“, schildert Nuscheler die Zusammenarbeit. „Auch in der Corona-Krise unterstütze ich sie bei der vernünftigen Kommunikation, je nachdem ob ihr Hofladen geöffnet ist oder es Einschränkungen gibt.“

Außerdem gibt sie ihr Wissen in Workshops weiter. Das sorgt zum einen für Zufluss an Kunden „ich musste noch keinen Tag Akquise machen, ich bin halt über meine Kanäle sichtbar“. Zum anderen will sie den Zugang zur Zielgruppe für die Hilfe zur Selbsthilfe nutzen. Es geht Nuscheler um das große Ganze, darum dass jeder Einzelne in der Landwirtschaft cleverer in der Kommunikation wird – egal ob er ihr Kunde wird oder nicht. „Jeder, den ich über einen Workshop von Online-Marketing begeistern kann, auch wenn ich danach nie wieder etwas von ihm höre, ist mir lieber, als wenn ich ihn gar nicht erst erreicht hätte“, stellt sie fest. Und freut sich, „dass die Workshops so angenommen und ich als Expertin wahrgenommen werde“. 2019 wird sie in die Jury des Ceres Awards berufen, die den „Landwirt des Jahres“ benennt.

Noch ist Resi eine One-Woman-Show. Ihr Ziel für die zweite Jahreshälfte 2020 ist es nun, ein Team aufzubauen, Mitarbeiter einzustellen und die Resi-Familie zu vergrößern.

Ihre Pläne bleiben dabei groß. „Landwirte müssen mehr zusammenarbeiten“, sagt Nuscheler. Ihre Workshops und Vorträge nutzt sie, auch um Landwirte und ihre Ideen in Kontakt zu bringen und Kooperationen anzuregen.

„Als Einzelgründer sind gute Partner für mich besonders wichtig.“

Das weiß Nuscheler aus Erfahrung zwischen vielen Gründer-Teams. Sie merkt rasch, dass sie einen Sparrings-Partner braucht. „Eine Idee war ja da, die sich schnell entwickelte“, erinnert sie sich an diese Phase. „Ich hatte den Drang, mich früh mit jemandem darüber auszutauschen, vor allem mit jemanden, der mit mir eine Art Fahrplan erstellt, damit ich nichts verpasse und Schwierigkeiten vermeide.“ In Familie und Freundeskreis findet sich niemand mit den entsprechenden Erfahrungen. Eine Internet-Recherche bringt sie im Dezember 2017 in Kontakt mit dem Gründerzentrum. Im April 2018 wird sie Mitglied. Die Unterstützung entwickelt sich so, wie sie sich das erhofft hat: „Das Team von Allgäu Digital denkt immer mit. Sie haben gute Ideen eingebracht und ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt, auch wenn ich nur als Gast da war.“ Nuscheler lebt und arbeitet neben dem elterlichen Rindermastbetrieb in Altenstadt bei Schongau. Sie freut sich, dass sie das Angebot des Gründerzentrums so individuell nutzen konnte und verlängert um ein weiteres Jahr bis April 2020.

Einen Coach nutzt sie über das Gründerzentrum, einen Steuerberater hat sie für ihr Unternehmen von Anfang an, ihre Buchhaltung macht sie über ein Tool selbst. Neben den Kontakten schätzt Nuscheler vor allem, „dass man jemanden anrufen kann, wenn es wichtig wird.“ Als sie in einen Markenstreit verwickelt wird, kann sie zeitnah über das Gründerzentrum auf einen Anwalt zurückgreifen und eine erste Einschätzung der Lage bekommen.

„Bis heute habe ich großen Respekt vor der Selbständigkeit und vorm Gründen. Ängste, was kommt noch alles auf einen zu, und Ärger, womit man sich als Selbständige herumschlagen muss, gehören dazu.“ Den Schritt hat sie trotzdem nie bereut, denn „das war schon richtig so!“

Keyfacts zur Resi Agentur

Branche: Werbe-Agentur für Landwirte und Direktvermarkter

Gründungsjahr: 2018

Kontakt: info@resi-marketing.de, resi-marketing.de

Wir bieten:

  • Beratung zu digitalem Marketing,
  • Umsetzung von Marketing-Maßnahmen von der Logo-Entwicklung über Websiten-Erstellung bis Social-Media-Ausbau,
  • Workshops und Impuls-Vorträge zu digitalen und Social-Media-Themen.

Wir suchen:

  • Landwirte mit frischen Ideen, die ihre Produkte direkt vermarkten wollen,
  • Agrar-nahe Institutionen und Organisationen, die die Sichtbarkeit von Landwirten und ihrer Arbeit verbessern wollen,
  • Menschen aus der Landwirtschaft, die sich miteinander vernetzen wollen.

Erscheinungstermin: 06/2020

Autor
Kommunikation & Messaging für neue Vorhaben, © Ronja Hartmann

Ronja Hartmann

Ronja Hartmann Communications

Lotsin im medialen Überangebot. Tech Geek mit Hang zur Kunst. Unterwegs, damit sich Unternehmen grundlegend anders vermarkten. 

Für Allgäu Digital porträtiere ich die Start-Ups im Projekt.

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