Althofstelle Familie Walter

Innen Wohnen

Idee: Umbau und Sanierung eines innerörtlichen, denkmalgeschützten Bauernhauses

Fläche: 220 qm Wohnfläche

Kontakt: Familie Walter

 

Ebenhofen ist ein Ortsteil der Gemeinde Biessenhofen im Ostallgäu. Das Straßendorf liegt im Dreieck von Wertach und Kirnach und ist eines der vielen Hofen-Orte der Umgebung, wie z.B. auch Ruderatshofen oder Biessenhofen. Hier zeigt sich auch schon die landwirtschaftlich geprägte Geschichte des Ortes: Orte mit –hofen als Endung verweisen oft auf einen Einzelhof oder auf eine Siedlung, die durch eine Gruppe von Gehöften angelegt wurde. Die ursprüngliche Siedlungsstruktur Ebenhofens war durch sogenannte Einfirsthöfe geprägt, lange einteilige Gebäude, die der Straße zugewandt waren und die später um eine sogenannte Wiederkehr und ein angehobenes, steileres Dach erweitert wurden.

Einer dieser Höfe ist heute im Besitz der Familie Walter. Der Hof stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist ca. 400 Jahre alt. Er befindet sich direkt im Ebenhofener Ortskern in der Nähe des Maibaums und den zwei Dorfwirtschaften.

Während des Allgäuer Flachsanbaus war im Gebäude eine Färberei untergebracht, daher der alte Hausname „beim Färber“. Das Haus ist ein typisches Allgäuer Mitterstallhaus. Bei dieser Hausform schließt der Stall unmittelbar an den Wohntrakt mit einem breiten Querflur an, die Tenne liegt hinter dem Stall. Die Konstruktion des Hauses ist ein Balkengerüst mit ausgemauerten Wänden, ursprünglich aus heimischen Bachkieseln, später aus Ziegeln.

Bevor die Familie Walter den Hof erwarb, wohnte zuletzt noch eine Person im Haus und die Landwirtschaft war nicht mehr aktiv. Eine Erbengemeinschaft von vier Personen verkaufte das Gebäude schließlich. Der Hof war stark renovierungsbedürftig und mit viel Aufwand und Liebe zum Detail erweckten die neuen Eigentümer den Hof in einer Umbauzeit von 1 ¼ Jahren zu neuem Leben.

Die Familie, deren Eltern Vertriebene aus Gablonz a.d.Neiße waren und sich in Neugablonz niederließen, wohnte bereits vor dem Kauf im Ort und war auf der Suche nach einem Stall für die eigenen Pferde, da die Familie eine erfolgreiche Pferdezucht betreibt. Durch den „Dorffunk“ wurden sie auf den Hof aufmerksam und entschlossen sich, den Hof zu kaufen, aber nicht abzureißen, sondern zu renovieren.

Dabei wurde die denkmalschutzwürdige Substanz erhalten, bei notwendigen Ausbesserungen wurde reines Altholz verwendet.

Das Haupthaus, mit seiner typischen Ständerbauweise aus massiven Holzstützen und Balken, konnte komplett erhalten werden, so auch der Stall, in dem sich heute das Büro der Familie befindet. Die anschließende Tenne wurde in den Wohnraum integriert. Die Fundamente wurden durch Stahlbeton unterfüttert, zwei Ringanker stabilisieren die Wände und die morschen Dachsparren wurden nach altem Muster erneuert. Selbst die Sprossenfenster wurden maßgerecht neu gefertigt. Der nicht mehr erhaltenswürdige ehemalige Kuhstall und die Scheune wurden abgerissen und als Wohnraum stilsicher neu erbaut. Die Lage in der Ortsmitte bot dabei viele Vorteile, die Wasserversorgung, sowie der Anschluss an die Kanalisation waren gegeben. Insgesamt entstanden drei Wohneinheiten mit jeweils etwa 180 qm Wohnfläche.

Die Familie Walter hat ein dorfbildprägendes Gebäude „gerettet“ und so auch ein Stück Ebenhofener Geschichte erhalten - mit viel Engagement, Respekt vor der Historie des Hofes und einem achtsamen Umgang mit der alten Bausubstanz. Selbst kleinere historische Zeitzeugen gingen nicht verloren, so hängen heute gegenüber an der Fassade des Hirten- und Heimatmuseum, dem „Baschtlehaus“, im Hof wiedergefundene alte Transmissionsräder und das ehemalige Holzfass der Blaufärberei wurde restauriert und im Museum ausgestellt.