Das Honigdorf Seeg

Der Honig steht im Ostallgäuer Seeg im Mittelpunkt: Von der Biene selbst über die Honigproduktion und -gewinnung bis hin zu den vielen wertvollen Inhaltsstoffen des Produktes selbst. Dabei hat die Imkerei seit vielen Jahren in Seeg eine Heimat gefunden. Wir haben das einzige Honigdorf Deutschlands besucht.

Gelee Royal, Schwänzeltanz und Propolis – wer sich über Honig informiert, trifft schnell auf das ein oder andere rätselhafte Wort. Dabei sind das sehr wichtige Begriffe, die jeder Neuimker schnell lernen muss – wenn er das Honig-Handwerk verstehen will. In Seeg kann man seit einigen Jahren genau das tun: Lernen, was alles hinter der süßen Leckerei steckt. Der Imkerverein Seeg mit knapp 50 Imkern hat sich mit der Gemeinde zusammengetan und einiges auf die Beine gestellt: Von einer Erlebnisimkerei mit einem Schaubienenhaus, einem Bienenerlebnispfad, einem Bienenspielplatz und seit neuestem auch eine Seeger Bienen-App, die mit Quizfragen durch den Erlebnispfad führt. Mittlerweile ist der Honig in der ganzen Dorfgemeinschaft zu Hause: Vom lokalen Metzger, der einen Leberkäse mit Honigkruste kreiert hat, bis hin zum Bäcker der extra Honigzopf und eigene Honigmüsliriegel anbietet.

Dabei hat die Imkerei in Seeg eine lange Tradition. Bereits 1902 organisierte sich der erste Bienenzuchtverein in der Gemeinde. Da liegt es nahe, das eigene Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben – oder auch an jene, die sich für die Imkerei als Handwerk interessieren. Neben einer Kooperation mit der landwirtschaftlichen Berufsschule werden auch Vorträge und Führungen für ältere Generationen angeboten: Heute sind beispielsweise Landwirte und Landwirtinnen aus Betzigau zu Besuch, die sich über die Imkerei informieren möchten.

Wertvolle Bienenarbeit

Zu Beginn erfahren wir, gestärkt durch ein mit Honig verfeinertes Erdbeereis, so allerlei über die zentrale Figur der Imkerei: Die Biene. Neben den verschiedenen Wildbienen- und Honigarten, dem Lebenszyklus eines einzelnen Tieres und seiner Anatomie erfahren wir auch, dass der Honig nur eines in einer Reihe von wertvollen Bienenprodukten ist, die der Mensch für sich nutzen kann. Das Gelee Royal beispielsweise ist keine besondere Form des Honigs, sondern ein reichhaltiges, im Kopf der Honigbiene produziertes Sekret, welches zur Aufzucht der Königinnen dient. Das Propolis ist eine harzartige Masse, die stark antibakteriell und antioxidativ - auch für den Menschen - wirkt.

Die Honigproduktion und -gewinnung

Weiter geht’s zum Schaubienenhaus. Wir erleben hautnah das Handwerk Imkerei – vier Kästen stehen hier, die verschiedene Bienenvölker beherbergen. In ihnen befinden sich Holzrahmen, die für den Wabenbau der Biene dienen. Dabei spielt die sechseckige Wabe der Biene eine essenzielle Rolle: Sie wird mit Honig als Wintervorrat gefüllt, dient als Pollenlager und als Ort für die Brutaufzucht.

Der Imker entnimmt die Waben, die voll mit Honig sind, danach wird mithilfe von speziellen Gerätschaften der Wachsdeckel von den Wabenzellen „abgekratzt“. Jetzt geht es zum „Schleudern“. Die Waben werden so schnell gedreht, dass der restliche Honig durch die Fliehkraft nach außen „geschleudert wird“. Nun wird der im Eimer gewonnene Honig stehen gelassen, dass sich beispielsweise die übrigen Wachsteilchen nach oben absetzen können – sie werden dann abgeschöpft.

Am Ende steht dann schon der Honig, so wie wir ihn kennen. Als Waldhonig mit dunkelbraun-goldener Farbe, oder als Blütenhonig, hell und frühlingshaft. Wir dürfen frisch vor Ort den Honig „abfüllen“ – den wir gerne mit auf die Heimreise nehmen.

 

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

 

5 Tipps und Tricks für einen bienenfreundlichen Garten

Als leidenschaftliche/r Gärtner/in verbringt man gerne jede freie Minute im heimischen Grün und versucht mit großem Aufwand ein ganz persönliches blühendes Paradies zu erschaffen. Doch ganz ohne Hilfe gelingt das leider nicht – denn hier spielt die Biene eine wichtige Rolle. Wie wir die fleißigen Tiere bei ihrer Arbeit unterstützen können, haben wir hier zusammengefasst:

1. Die Wiese wild wachsen lassen

Der „handgeschnittene“ Zierrasen ist zwar beliebt und auch gepflegt anzusehen, aber ähnelt für die Biene eher einer Wüste. Eine Wiese mit Kräutern und Blumen, wie Löwenzahn, Weißklee oder rosa Gänseblümchen, ist ein Paradies für jede Biene und zudem noch sehr viel pflegeleichter. Win-Win also!

2. Kühles Nass bereitstellen

Gerade an heißen Sommertagen nehmen Bienen das Angebot der aufgestellten Wasserstellen gerne an. Ein Behältnis mit einigen Steinen gefüllt - damit die Tiere sich festhalten können - reicht dazu schon aus.

3. Den Gemüsegarten neu gestalten

Einen reich gedeckten Tisch für Gärtner und Biene erreicht man im Gemüsegarten am einfachsten. Natürliche Beetumrandungen durch Thymian, Lavendel oder Monatserdbeeren sind Nahrungsmittel für Bienen aller Art. Auch blühendes Gemüse, wie Tomate, Zucchini, Kürbis & Co, sind bei den fliegenden Insekten beliebt. Wer ein ganz besonders großer Bienenfreund sein will, der erntet nur die Hälfte seiner Saat und überlässt den Rest der Biene.

4. Bienenhotels aufstellen

Im Umfeld der Menschen verlieren Bienen an Lebensraum – dem kann entgegen gewirkt werden. Bienenhotels z. B. sind Nisthilfen und schnell und einfach selbst gebaut oder auch käuflich zu erwerben. Sie verbessern das knappe Nistangebot und locken Schwärme in den Garten.

5. Auf chemischen Pflanzenschutz verzichten

Chemischer Schutz vertreibt die Bienen und verdirbt ihnen jegliche Nahrung. Auch „nicht bienengefährliche“ chemische Mittel sollte man vermeiden. In einem gesunden „Gartenklima“ ist das Absammeln, Abstreifen oder Wegschneiden der Schaderreger meist ausreichend.

Viele weitere nützliche Tipps für einen bienenfreundlichen Lebensraum im Garten, auf dem Balkon oder auch im Wald findet man bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau