Die Sheddach Hallen

Innen Wohnen

Idee: Ein historisches Quartier wird wiederbelebt und moderner Wohnraum geschaffen

Nutzungsart: Wohnraum

Fläche: 3.600 m² Wohnfläche

Kontakt: die Sozialbau, Wohnungs- und Städtebau GmbH

 

Dass alte Industriebauten nicht nur gewerblich oder kulturell sondern auch im Rahmen von  Wohnraumschaffung nachgenutzt werden können, beweisen die 46 neuen Mietwohnungen in den „SheddachHallen“ in Kempten. Hier trifft Geschichte auf Gegenwart.  Im Sommer 2019 hat die Sozialbau das Stadtquartier „Keselstraße“ an der Iller als modernes Wohn-, Kreativ- und Dienstleistungsquartier vollendet. Die „SheddachHallen“ sind im sog. „Kemptener Modell“ eingebunden mit dem Vorteil, dass Sozialbau die Marktmiete um mehr als 2,- €/m² verbilligt anbieten kann.

Seit etwa 170 Jahren sind die  „SheddachHallen“ Teil eines alten Textilindustrieareals an der Iller. Im 19. Jahrhundert war das Allgäu, vor allem Kempten und das Oberallgäu, die stärkste Industrieregion in ganz Bayerisch-Schwaben. Verantwortlich dafür war die Textilindustrie. Um 1900 symbolisierte die Spinnerei und Weberei in Kempten den Stolz der Stadt. Etwa 100 Jahre dauerte ihre Blütezeit, bevor es ab 1950 langsam zu Ende ging und 1992 die Produktion eingestellt wurde. Danach lag das Areal der Spinnerei und Weberei rund 20 Jahre lang brach, bis die Sozialbau sich dem Stadtquartier 2013 annahm.

Die historisch wertvolle, denkmalgeschützte „Alte Spinnerei“ packte die Sozialbau mit der Sanierung des sechsgeschossigen Nordgebäudes und des viergeschossigen Südgebäudes 2013 an. Entstanden sind moderne Büro-, Schulungs- und Arbeitsräume auf rund 4.000 m² Bürofläche an der Iller. Die Schlichterei der Spinnerei und Weberei mit rund 800 m² Fläche wurde 2017 saniert. Sie diente früher zur Optimierung der Garnfestigkeit. Seither beherbergt die Halle das Digitale Gründerzentrum Allgäu Digital. Als nächster Quartiersbaustein konnte die ehemalige Pförtnervilla zu einem hochwertigen Bürogebäude saniert werden. Und seit 2019 ist die „SheddachHalle“ mit 46 neuen Loft-Wohnungen bezogen. Zuvor musste die 125 Jahre alte Stahlhallenkonstruktion bis auf die Bodenplatte vollständig zurückgebaut, hunderte Stahlstützen sandgestrahlt, zwischengelagert und aufwändig wieder neu aufgebaut werden.

Sensibel gingen die Planer auf die Sondersituation des Industriedenkmals ein, um  gleichzeitig moderne Wohnformen zu schaffen. Anspruchsvolle Details waren mit dem Denkmalamt und den Baubehörden abzustimmen.

Die modernen 46 Loft-Wohnungen der „SheddachHalle“ sind in drei Wohnungstypen von 50 bis 180 m² realisiert. Die Ost-Wohnungen mit idyllischem Blick auf die Iller funktionieren wie ein Reihenhaus über drei Ebenen. Im mittleren Trakt der „SheddachHalle“ wurden kompakte „Back to Back-Wohnungen“ mit 1 ½ Zimmern errichtet, westseitig sind es Loftwohnungen mit 2 ½-Zimmern.

Alle Wohnungen sind zu zwei Innenhöfen hin mit herrlichen Terrassen ausgestattet. Aufenthaltsqualität schaffen zwei großzügig gestaltete Quartiersspielplätze, ein Kinderspielplatz und luftige Balkone. Im Untergeschoss, wo vor über 120 Jahren die Webstühle betrieben wurden, baute Sozialbau eine Tiefgarage für 80 Pkw sowie Fahrräder, so dass bisherige Parkplatzengpässe auch für die umliegenden Häuser der Keselstraße mit gelöst werden.