Das Flößerdorf Lechbruck

Schon der Name der Ostallgäuer Gemeinde lässt vermuten: Hier geht es um das kühle Nass – den Lech. Über Jahrhunderte war der Lech als Wasserstraße der sicherste, schnellste und billigste Verkehrsweg, um Rohstoffe und Waren in die weit entfernten Absatzgebiete am Lech und an der Donau zu transportieren. In Lechbruck entwickelte sich daher das Floßgewerbe zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Bis heute kann man im Flößerdorf das alte Gewerbe erleben.

Entsprungen in den Lechtaler Alpen, mündet der Lech nach 264 Kilometern bei Rain am Lech in Nordschwaben in die Donau. Bereits die Römer sollen den Fluss mit Flößen für den Warentransport genutzt haben. Auch bereits im 13. Jahrhundert hatten die Gemeinde Lechbruck und der Lech selbst eine große Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und Handelsweg. Hier kreuzten sich wichtige Verkehrswege wie die alte Römerstraße Via Claudia Augusta, die von Süden her nach Augsburg führende Landstraße und der Lech als Wasserstraße. Der Holztransport auf dem Lech und die Flößerei wurden für Lechbruck die wichtigste Einnahmequelle. Floßleute, Handwerker und Kleinhändler verdienten sich durch das Gewerbe ihr Geld. Neben Holz wurden auch andere Rohstoffe transportiert, Sandstein aus den Lechbrucker Steinbrüchen, Kalk, Holzkohle, Lebensmittel und auch Vieh.

Wenn das Verkehrs- und Handelsgewerbe florierte, bot es sehr gute Verdienstmöglichkeiten für die Bewohner von Lechbruck. In der Blütezeit um 1600 und in  der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitete sich das Geschäft auf rund 4.000 Flöße im Jahr aus, die über die Donau bis nach Wien, Budapest und sogar Belgrad fuhren. Aber die Flößerei war ein Konjunkturgeschäft. Wenn der Handel mit Holz stagnierte, zog die Armut ein. In Kriegszeiten musste der Floßbetrieb ganz stillgelegt werden. Mit dem Bau der Eisenbahn und dem Einsatz von Dampfschiffen auf der Donau kam Ende des 19. Jahrhunderts das endgültige Aus für die Lech-Flößerei,  im Jahr 1913 fuhr das letzte Floß von Lechbruck nach Augsburg.

Aus dem einstigen Flößerdorf Lechbruck ist heute ein Erholungs- und Urlaubsort geworden – die alte Flößertradition erlebt man jedoch auf Schritt und Tritt. Beim „Flößergolf“ direkt im Ortskern kann man spielerisch das ganze Dorf kennenlernen – in Miniaturform. Die traditionelle Floßfahrt natürlich mit inklusive. Regionale(s) Kunst und Handwerk kann man jährlich im August beim Flößermarkt bestaunen. Im Flößermuseum wird ein geschichtlicher Überblick zu Lechbruck vermittelt. Auch regelmäßig stattfindende Floßfahrten erinnern an die Flößertradition. In der „Flössermanufaktur“ werden viele regionale Spezialitäten und Köstlichkeiten angeboten.