FreiraumTagung 2019

Der Wohnraumbedarf bis zum Jahr 2030 ist nicht nur für die Politik ein Schwerpunkt künftiger Weichenstellung im Allgäu – das wurde auf der 2. FreiraumTagung 2019 deutlich: 120 Vertreter aus der Wirtschaft, Architektur und Wissenschaft sowie Kommunalpolitik nahmen an der Tagung im Wildpoldsrieder Dorfsaal teil. Damit wurde das Thema „Wohnen“ erstmals auf die Allgäu-Ebene gehoben und gemeinsam diskutiert.

Auf der Tagung wurden die Ergebnisse der Wohnbedarfsprognose Allgäu 2030 vorgestellt. Diese wurde im Auftrag der Allgäu GmbH von der Münchner bulwiengesa AG erstellt.

Aus der Studie sollen Handlungsempfehlungen für Kommunen abgeleitet werden. Denn das Allgäu wächst weiter. Damit einher geht aber auch der Bedarf nach neuem Wohnraum. Auch fordert die demografische Entwicklung ein Umdenken. „Die Studie liefert verlässliche Daten für Diskussionen über den notwendigen Wohnungsbau in den Kommunen. Zudem versprechen wir uns Anregungen für eine bessere Abstimmung und Zusammenarbeit in der Region und zwischen Wirtschaft und Kommunen“, erklärte Landrat Anton Klotz, Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäu GmbH. Tausende von Daten von 147 Kommunen wurden ausgewertet, um aussagekräftige Prognosen für die Landkreise und kreisfreien Städte zu erhalten.

Zusammenfassend kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Rahmenbedingungen im Allgäu stimmen, aber Entwicklungen wie z. B. die Verkleinerung der Haushalte und damit die einhergehende Nachfrage nach kleineren Wohneinheiten sowie eine immer ältere Gesellschaft verstärkt berücksichtigt werden müssen. Die demografische Entwicklung in Deutschland macht nämlich auch im Allgäu nicht Halt: 2030 werden mehr als 26 % der Menschen über 65 Jahre alt sein. Zusätzlich steigt die Einwohnerzahl. Bis 2030 werden nochmals knapp 2 % mehr Menschen im Allgäu wohnen. Auf diese Entwicklung haben Kommunen bereits reagiert und neuen Wohnraum geschaffen. Doch der hohe Bedarf an Wohnungen und die Zinssituation hat auch die durchschnittlichen Kaufpreise für Alt- und Neubauten sowie Grundstücke und Mieten im ganzen Allgäu deutlich erhöht.

Wie Dr. Heike Piasecki von der bulwiengesa AG erläuterte, werde der Bedarf an neu zu schaffenden Wohnraum bis 2024 steigen. Ab 2030 sei der Wohnraumbedarf, unter differenzierten prognostizierten Annahmen, teilweise ausgeglichen. Künftige Neubauten müssen allerdings andere Anforderungen erfüllen als bisher: Die Wohneinheiten werden kleiner, weg vom geräumigen Einfamilienhaus zu Wohnungen für Paare und Singles. Barrierefreiheit, wohnbegleitende Dienstleistungen und eine gute Infrastruktur seien die neuen Voraussetzungen. Die Studie hat zudem das Allgäu in fünf verschiedene Räume gegliedert, um die Region in seinen unterschiedlichen Ausprägungen abbilden zu können. Deutliche Differenzen zwischen Bedarf und Angebot sind beispielsweise in den Ballungsräumen und touristisch geprägten Gemeinden erkennbar.

Dr. Hans Reichhart, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, begrüßte die Allgäuer Wohnraumstudie. In seinem Vortrag „Maßnahmen und Vorhaben der Staatsregierung“ versprach er beispielsweise das Baurecht zu lockern, so dass Wohnraum geschaffen werden könne ohne neue Flächen zu beanspruchen. Der Staatsminister forderte die Kommunen auf, den sozialen Wohnungsbau nicht den Städten zu überlassen. Der Zuzug neuer Menschen und eine alternde Gesellschaft bergen gerade im ländlichen Raum Chancen für neue Wohnformen.

Neben dem Wohnraumbedarf standen bei der Tagung auch neue Wohnformate im Fokus. Wie diese neuen Formen des Wohnens im Jahr 2035 aussehen können, zeigte Michael Neitzel von der inWIS GmbH. Zukünftige Generationen haben andere Vorstellungen von Wohnen und Arbeiten. Dabei spielt vor allem der „Sharing-Ansatz“ eine wichtige Rolle:  Mehrere Wohneinheiten eines Hauses teilen sich nicht nur beispielsweise ein gemeinsames Wohnzimmer (Stichwort CoLiving, Clusterwohnen), sondern auch das Büro, sogenannte CoWorking Spaces. Auch die gemeinsame Nutzung von wohnbegleitenden Dienstleistungen wie z. B. E-Bikes sowie Car-Sharing wird selbstverständlich sein.

Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, moderierte die anschließende Podiumsdiskussion. „Mit den validen Daten, den Impulsen und Ideen werden wir spannende Diskussionen in unseren Kommunen führen und eine nachhaltige und zukunftsorientierte Standortentwicklung betreiben. So können wir unsere Vision fürs Allgäu verwirklichen und auch künftig eine führende Region zum Leben und Arbeiten sein“, fasst er die FreiraumTagung 2019 zusammen.

Die Wohnbedarfsprognose 2030 sowie die FreiraumTagung werden im Rahmen des Konversionsmanagements gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

  • Wohnbedarfsprognose Allgäu 2030

    Vortrag: Frau Dr. Piasecki - Wohnbedarfsprognose Allgäu 2030

  • Wohntrends 2035

    Vortrag: Herr Neitzel - Wie wohnen wir morgen? Wohntrends 2035