Berufskraftfahrer Max Müller

Spedition Max Müller: Wer an viel Sitzen und Langeweile denkt, hat falsch gedacht

Job 21: Berufskraftfahrer bei Max Müller, Opfenbach

Mein nächster Job: Berufskraftfahrer bei Max Müller. Das ist ein Logistik- und Speditionsdienstleister mit Hauptsitz in Opfenbach. Weil dieser Beruf relativ selbst erklärend ist, habe ich diesmal nicht mich selbst nach meinen Erwartungen, sondern meine Familie befragt:

Papa: Die muss ich immer Überholen.

Brüder: Hoffentlich musst du nicht einparken.

Mama: Puh, du und den ganzen Tag sitzen? Das kann ja was werden.

Und irgendwie haben sie alle Recht. Papa mal außen vor, der muss generell jeden überholen. Einparken kann ich überhaupt nicht, Stillsitzen noch weniger. Die Gedanken sind aber direkt vergessen, als ich bei Max Müller angekommen, tatsächlich ein Nummernschild mit meinem Namen überreicht bekomme. Ich wäre ja kein guter Berufskraftfahrer, wenn ich nicht mit MEINEM Nummernschild in der Windschutzscheibe durchstarten könnte. Und das tue ich direkt zusammen mit Flo, dem Berufskraftfahrer den ich heute begleite.

Morgenstund hat Gold im Mund

Der Tag beginnt in der Spedition, in der wir die Ladeliste für den Tag überreicht bekommen. Auf dieser steht geschrieben, was wir aus dem Lager in den Lkw laden, welche Kunden wir anfahren und was wir an welcher Station abladen, aufladen oder am Ende des Tages sogar zum Lager transportieren sollen. Insgesamt neun Stationen im Westallgäu haben wir vor uns, entsprechend voll ist der Lkw, als wir losfahren.

Verladen leicht gemacht

Und während ich mich mental auf eine lange Fahrt auf der Autobahn vorbereite, penibel darauf achte nicht zu viel zu trinken (weil Raststättentoiletten, hallo?!) und mir Gesprächsthemen für die lange Fahrt zurechtlege, biegt Flo schon wieder ab, steigt in die Bremsen und wir sind beim ersten Kunden. Ups, so schnell? Damit habe ich nicht gerechnet. Auch nicht damit, dass wir gerade Waren im Wert von 800.000 Euro transportieren. Gut, dass Flo das Fahren übernimmt. Da reicht es mir völlig, dass ich den Hublader überreicht bekomme und die Paletten aus dem LKW auf die Laderampe verschieben soll, damit sie dort vom Kunden entgegengenommen und verladen werden können. Das klappt reibungslos, also wieder rein ins (warme!) Fahrerhäuschen und ab zur nächsten Station.

Hier sollen wir etwas abholen, was wir dem nächsten Kunden liefern sollen. Das Verschieben der Paletten überlasse ich diesmal Flo, der kann das schneller und außerdem habe ich eine Toilette gefunden. Klasse, die nutze ich kurz aus, bevor es dann auf die lange Strecke, die Autobahn, geht. Denke ich.

In Wirklichkeit wird mir aber gerade klar, dass wir uns heute überhaupt nie auf die lange Tour quer durch Deutschland machen, einfach weil Flo für den Güternahverkehr zuständig ist. Das heißt, Flo hat, entgegen meiner Erwartungen, einen ganz normalen Arbeitsalltag, der um 7 Uhr früh beginnt und gegen Nachmittag endet. Übernachtung auf Raststätten ausgeschlossen, Raststättentoiletten ebenfalls. Die einzelnen Strecken zwischen den Kunden beschränken sich auf maximal 20 Minuten und langes Sitzen fällt weg, weil man ständig Ware verlädt.

Langeweile ist hier Fehl am Platz

Hier wechseln sich körperliche Arbeit und Entspannung ständig ab und ich muss mir eingestehen, so richtige Langeweile kommt auch nicht auf. Das liegt einerseits an Flo, der viel gesprächiger ist, als ich von einem Berufskraftfahrer erwartet hätte und andererseits auch daran, dass ich Hublader, Scangeräte und die Laderampe bedienen lerne. Es geht sogar so weit, dass ich mich auf die Sitzpausen im warmen Lkw freue, weil die Kälte mir echt zu schaffen macht (man könnte ja Denken, mein Körper gewöhne sich nach 4 Monaten Allgäu an winterliche Temperaturen, aber nein).

Am Ende des Tages haben wir alles, was auf der Ladeliste stand, ausgeliefert, bringen Ware, die morgen gebündelt weiterverschickt wird, zum Lager zurück, laden den Lkw aus und haben um 15 Uhr Feierabend. Und ich muss meine Familie zur Telefonkonferenz bitten. Das war nämlich alles ganz schön anders, als ich erwartet hatte. Wenn ich jetzt noch mehr mit anderen Menschen zu tun hätte und einparken könnte, würde ich mir diesen Beruf ja fast auch überlegen. Dass man Herr über seinen Arbeitstag ist, über freie Zeiteinteilung verfügt, Verantwortung übernimmt und nebenbei herrliche Aussichten genießt, sind nämlich keine schlechten Argumente für den Job. Und wenn man dann auch noch gern seine Ruhe hat und Spaß am Lkw-Fahren hat, dann hätte ich da eine Idee: die Ausbildung zum Berufskraftfahrer.

JOBCHECKLISTE
Für wen ist dieser Job geeignet:

Für jeden, der gern sein eigener Herr mit viel Freiraum ist, lieber allein arbeitet als im Team und im Job anpacken will.

Was muss man mitbringen:
Kraft und Lust auf Lkw-Fahren (den Führerschein macht man erst in der Ausbildung).

Vor was darf man keine Angst haben:
Vor rückwärts einparken ohne Parkpiepser.

Absolutes Highlight des Jobs:
Die Aussicht auf den Bodensee, während wir Ware in Lindau verladen.

Tagesaufgaben in Stichworten:
Ladeliste mit der Spedition besprechen, LKW beladen, zu Kunden fahren, Ware ausladen, einladen, weiterfahren, Ware zum Lager fahren, LKW ausladen.

ÜBER DAS UNTERNEHMEN
MAX MÜLLER SPEDITION GMBH
Gewerbestraße 2
88145 Opfenbach

ZU DEN STELLENANGEBOTEN
http://www.mm-logistik.com/index.shtml?mm_jobsangebote

Bilder
Autor
Annabelle Klage

Annabelle

Jobchallenge Allgäu

Immer auf Achse. Immer in Bewegung. Offen. Fröhlich. Viel redend. Und immer lachend. Das bin ich: Bella. Seit Oktober: Jobhopperin im Allgäu. Ich darf jetzt offiziell einfach alles auf einmal machen. Reden (viel), im Allgäu wohnen (juhuu) und 30 Jobs in 180 Tagen ausprobieren. 

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