Tankerkönig

API, Software as a Service

3 Gründer aus Süddeutschland machen Benzindaten des Bundeskartellamts über eine eigene OpenData-Schnittstelle zugänglich und ermöglichen so spannende Vergleiche, historische Auswertungen und vorausblickende Hochrechnungen.

Die Gunst der Stunde nutzen

Angefangen hat alles mit einer gesetzlichen Änderung. Seit 31.8.2013 müssen Tankstellenbetreiber Preisänderungen ans Bundeskartellamt melden, genauer an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Als diese Anordnung greift, sehen Hermann Kurz, Martin Kurz und Bruno Bührlen ihre Chance. Die beiden Informatiker Hermann Kurz und Martin Kurz aus Kempten bzw. Stuttgart und der App-Entwickler Bruno Bührlen aus Durach registrieren sich beim Kartellamt als Verbraucherinformationsdienst, um auf die Benzinpreise zuzugreifen und sie zu nutzen.

„Ich kenne Autofahrer, die nehmen Umwege in Kauf oder fahren extra zu einer besonders billigen Tankstelle, um ein paar Cent zu sparen“, beschreibt Hermann Kurz den Nutzen und erinnert sich an die Aufbruchstimmung und die optimistischen Markterwartungen bei Smartphone Apps. „Einfach eine App bauen und reich werden“, denken sie sich und starten Tankerkönig.  

„Mit dem reich werden war es dann erstmal nichts“,

erinnert sich Hermann Kurz lachend. 2014 launchen sie die Website tankerkoenig.de und bringen die ersten Apps für Android, Windows Phone und iOS in die entsprechenden App-Stores. Aber andere, weitaus bekanntere Unternehmen hatten schon erfolgreiche Apps auf dem Markt. „Die sammelten ihre Daten bislang, indem die Nutzer der Apps oder die Tankstellenbesitzer die Benzin-Preise an die App meldeten,“ beschreibt Kurz das umständliche und nicht ganz zuverlässig Verfahren. „Wir hatten dagegen saubere Rohdaten“. Tankerkönig hatte inzwischen eine eigene Schnittstelle für die Daten des Bundeskartellamts entwickelt, um sie ursprünglich in den eigenen Apps zu nutzen. Die Schnittstelle geben sie nun kurzerhand kostenlos als OpenData für andere App-Anbieter frei. „Wir fanden das Thema auch ganz allgemein spannend: Was kann man mit den auf den ersten Blick banalen Daten alles machen?“. Je mehr Köpfe darüber nachdenken, desto mehr und bessere Ideen kommen raus. Das ist kein Promotion-Gimmick, sondern wirkungsvolle Businessstrategie.

Von der App-Idee zum Freemium-Abo-Modell

Jeder kann inzwischen Zugriff auf die Schnittstelle von Tankerkönig bekommen. Die Zugriffszahlen steigern sich unerwartet schnell und mit den verschiedenen Anwendern kommen die unterschiedlichsten Anwendungsszenarien. Jeder Nutzer hat ganz eigene Wünsche und Vorstellungen. „Da ist alles dabei: Der Autohersteller, der zusätzlich Informationen zur letzten Aktualisierung der Daten braucht. Ein App-Anbieter, der ein digitales Fahrtenbuch erstellt oder solche, die Benzinpreisvergleiche über MagicMirror ausgeben. Und sogar Ölkonzerne, die den Markt beobachten wollen“, beschreibt Hermann Kurz die Bandbreite an kommerziellen Anwendern. Zusätzliche Anpassungen der Daten und das Aufsetzen individueller Systeme oder redundanter Server sind typische Einrichtungsaufgaben, die das Team von Tankerkönig für seine Kunden im Bezahl-Modell erledigt. Ist die Implementierung vollständig, wird eine monatliche Abo-Gebühr fällig.

„Für uns macht es Sinn, die Daten kostenlos rauszugeben, aber immer mit Zugang per API-Key, wir möchten ja schon wissen, was mit den Daten passiert. Potenzielle Kunden, die Bedarf an Benzinpreisen für ihre Apps und Anwendungen haben, finden uns und können die Daten so lange ausprobieren, wie sie wollen. Kosten werden erst fällig, wenn wir etwas für sie anpassen oder individuell hosten“, erklärt Kurz das Geschäftsmodell.

Nicht nur Unternehmen interessieren sich für die Daten, sondern auch Forschung und Wissenschaft, freut er sich: „Informatiker wollen meistens Datenbankzugriff, Wirtschaftler Excel-Tabellen. Wir haben auch historische Preise und unsere Daten kommen in Doktor-, Semester- und Studienarbeiten und bei Jugend forscht zum Einsatz. Letztes Jahr wurden sie sogar als Basis eines Wettbewerbs genutzt, bei dem die Spritpreise für die Bertha-Benz-Gedächtnisfahrt berechnet werden sollten.“

Für diese vielfältigen Möglichkeiten gibt es momentan nur eine Einschränkung: Tankerkönig konzentriert sich bislang auf deutsche Benzinpreisdaten. In anderen Ländern werden die Daten noch nicht zentralisiert über eine Meldestelle erhoben und registrierten Nutzern bereitgestellt.

Allgäu Digital als Möglichkeit zur Professionalisierung

„Seit ich im Mai 2018 hier im Gründerzentrum eingezogen bin, hat sich einiges getan. Ich habe meine Arbeitszeit in München reduziert und bin einmal die Woche hier und die Zeitinvestition macht sich bemerkbar“, freut sich Hermann Kurz. Die drei nebenberuflichen Gründer von Tankerkönig haben sich inzwischen zu einer UG zusammengeschlossen, mit Sitz in Nesselwang. Die technische Plattform haben sie stabilisiert und eine neue Schnittstelle erstellt, die übersichtlicher und aufgeräumter ist, denn die erste war ja für die interne Nutzung gedacht. Jetzt geht es darum, aktiv weitere Kunden anzugehen.

Für Hermann Kurz, der als einziger der drei im Gründerzentrum Kempten sitzt, ist die Förderung auch eine Chance, die Szene hier zu stärken. „Im Allgäu gibt es eine super Lebensqualität, vor allem für Familien. Bislang ist die Wirtschaft aber eher touristisch ausgerichtet, neben der traditionellen Prägung durch die Landwirtschaft und produzierende Betriebe. Die Technologieszene ist hier noch nicht so stark“, benennt Kurz die Ausgangslage. Seit Jahren veranstaltet er einen Internetstammtisch und hofft mit dem Studiengang Informatik an der FH Kempten und der Vernetzung bei Allgäu Digital auf eine Chance für die Region. „Das wäre dann eine echte Alternative zum Abwandern oder Pendeln.“

Keyfacts zur Tankerkönig UG

Branche: Benzinpreisdaten für Apps, Entwickler, Forschung und Lehre

Gründungsjahr: 2014 (UG seit August 2019)

Kontakt: info@tankerkoenig.de, www.tankerkoenig.de

Wir bieten:

  • Benzin-Preise als OpenData über API-Key,
  • Saubere Rohdaten über eine erprobte und übersichtliche Schnittstelle,
  • Anpassungen und Hosting im Abonnement.

Wir suchen:

  • Anbieter und Entwickler, die in ihren Apps oder Lösungen Benzinpreisdaten nutzen wollen,
  • Forschungs- und Studienprojekte, auf Basis aktueller und historischer Benzinpreise.

Erscheinungstermin: 20. Dezember 2019 

Autor
Kommunikation & Messaging für neue Vorhaben, © Ronja Hartmann

Ronja Hartmann

Ronja Hartmann Communications

Lotsin im medialen Überangebot. Tech Geek mit Hang zur Kunst. Unterwegs, damit sich Unternehmen grundlegend anders vermarkten. 

Für Allgäu Digital porträtiere ich die Start-Ups im Projekt.

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