Ein Bericht von Verena W.

Tücher aus Bienenwachs - Der Selbstversuch

Bienenwachstücher stellen eine optimale natürliche und vor allem plastikfreie Verpackungsalternative für den Alltag dar. Mit wenig Aufwand können diese auch ganz einfach selbst gemacht werden - wir haben den Selbstversuch daheim gewagt.

Viel zu schnell greift man heutzutage zu Alu- oder Frischhaltefolie. Sie schlicht zu vermeiden, ist eine Möglichkeit. Ich möchte jedoch auch eine nachhaltige Alternative. Durch Zufall erfuhr ich von sogenannten Bienenwachstüchern. Eine kurze Recherche ergab: Hinter den Wachstüchern steht ein simples Rezept, um unnötigen Verpackungsmüll zu minimieren. Bienenwachs kennt man eigentlich aus der Kosmetik oder der Lebensmittelindustrie. Aber auch zur Produktion von Wachstüchern eignet es sich sehr gut.

Wachsernte im Honigdorf Seeg

Ich begebe mich auf die Suche nach Bienenwachs, das in der Region nachhaltig gewonnen wird. Im Honigdorf Seeg werde ich fündig. Das Honigdorf hat die größte Imkerdichte in Deutschland. Auch wird in der Seeger Landwirtschaft kein Kunstdünger verwendet, weshalb jedes Bienenprodukt aus Seeg zu 100% natürlich ist. Bei meinem Besuch im Honighaus treffe ich Herrn Nuschele, den Vorsitzenden des Bienenzuchtvereines Seeg, um ein bisschen mehr über Bienenwachs und die Herstellung und Gewinnung zu erfahren.

Er zeigt mir die Unterschiede zwischen biologisch und industriell gewonnenem Bienenwachs, da industrielles Wachs meist mit Parfüm und Chemikalien versetzt ist und oft Spuren von Pestiziden oder Dünger enthält. Meine schnell aufkommende Frage, ob die Ernte von Bienenwachs den Bienen denn schadet, lässt sich schnell beantworten: Bienen bauen mit dem produzierten Wachs die Waben in denen Honig gelagert oder Eier ausgebrütet werden. Sobald diese Waben jedoch alt und dunkel werden, lehnen die Bienen sie ab. In der Natur würde die Bienenkönigin das Nest verlassen und mit ihrem Volk ein Neues bauen.

Für Herr Nuschele bedeutet das, er kann die alten Waben aus dem Bienenkasten entnehmen, sie einkochen und entweder neue Mittelwände für seine Bienen herstellen oder das Bienenwachs zum Verkauf anbieten. Obwohl das Wachs vermeintlich alt ist wird es mit dem Erhitzen, Schmelzen und erneutem Erkalten wieder wie neu.

Der Selbstversuch daheim

Mit viel neu gewonnenem Wissen und einem Pfund Bienenwachs in der Tasche, mache ich mich auf den Weg nach Hause, um meine Bienenwachstücher herzustellen. 1. Schritt: Alte Stoffreste suchen, 100% Baumwolle, Farbe egal. Die Herstellung selbst ist sehr simpel und die Zutatenliste hält sich mit dem Wachs und dem Stoff auch in Grenzen.

Nachdem ich die Tücher zugeschnitten habe, lege ich ein Backblech mit Backpapier aus und platziere  das Tuch darauf. Je nachdem in welcher Form man das Bienenwachs kauft (als Klotz oder in Tropfenform) wird das Wachs erst mit einer alten Käsereibe gehobelt und dann gleichmäßig auf das Tuch gestreut. Faustregel: Für eine Tuchgröße 20 cm x 30 cm reicht eine Handvoll Wachs. So reicht das Pfund Wachs für mindestens 10 Tücher.

Das Backblech mit dem Tuch und dem Wachs schiebe ich dann in den Ofen und erwärme es bei ca. 80°C Umluft. Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt, so weiß ich jetzt, bei 64-65 °C. Nach ca. 5 Minuten hat das Bienenwachs das Tuch dunkel, nass und gelb gefärbt.

An manchen Stellen, gerade am Rand, war nicht genug Wachs – was man durch helle Flecken gut erkennen kann. Hier gebe ich einfach nochmal Wachs auf die unbehandelte Stelle und schiebe das Blech nochmal in den Ofen, bis kein Unterschied mehr zu sehen ist.

Danach nehme ich das Tuch heraus, lege es auf ein Gitter oder hänge es an eine Leine zum Trocknen auf. Bei Zimmertemperatur wird das Wachs binnen weniger Sekunden hart: Fertig ist mein eigenes Bienenwachstuch!

Im Alltag

Ich bin total begeistert von den Tüchern und nutze sie regelmäßig im Alltag: Ob als Butterbrotpapier, zum Abdecken von Schüsseln  - sie haften sehr gut an Keramik und Hartplastik – oder zum Einpacken von Gemüse - sie sind mein täglicher Begleiter.

Wenn das Tuch schmutzig wird, spüle ich es einfach mit lauwarmem Wasser ab. Wenn das Wachs sich abnutzt, einfach nochmal in den Ofen und erneut erhitzen. Das Wachs im Tuch wird flüssig, verteilt sich neu und man kann nach Bedarf Wachs nachlegen.

Tipps:

Weniger ist mehr: Man darf nicht zu viel Wachs verwenden, da sich das Tuch sonst hinterher schlecht biegen lässt.

Bei zu viel Wachs: Das Tuch einfach zwischen zwei Backpapierbögen legen und darüber bügeln, dann verteilt sich das Wachs gleichmäßig im Tuch und überschüssiges Wachs wird heraus gepresst.

Farbauswahl: Weiße Tücher bekommen einen leichten Gelbstich durch das Wachs, farbige Tücher gleichen das aus.

Wen das Thema Bienen, Imkerei und regionale Produkte interessiert, sollte auf alle Fälle im Honigdorf Seeg vorbeischauen. Der Besuch lohnt sich!

Autor

Verena (21, Stuttgart)

Studentin und Allgäu-Fan

Den Alltag nachhaltig gestalten - das wird auch mir immer wichtiger. Jeder sollte sich fragen, wie man daheim unnötigen Plastikkonsum vermeiden kann. Und im Allgäu gibt es viele kreative Köpfe die sich mit dem Thema beschäftigen. Da leiste ich gerne meinen Beitrag dazu! 

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