Über die Schulter geschaut: Zu Besuch bei GUBO Schmuck

Schon beim Betreten des Firmengebäudes von GUBO Schmuck im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz werden wir in den Bann von zahlreich funkelnden Schmuckstücken gezogen. Schimmernde Silberkettchen, imposante Colliers und Einzelstücke lassen unser Frauenherz höher schlagen. Doch wir sind nicht unterwegs um unsere eigene Schmuckschatulle aufzufüllen. Wir wollen mehr über die Schmuckproduktion im Familienunternehmen erfahren – und schauen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Schulter.

Dazu nehmen sich der Inhaber Thomas Gubo und seine Frau die Zeit und führen uns in ihre Welt des Schmuckes ein. Ihr Unternehmen ist seit der Gründung 1953 erfolgreich in dieser Branche tätig und zählt 12 MitarbeiterInnen. Mittlerweile liegt GUBO Schmuck in der Hand der 2. Generation und ist seit den 70er Jahren auf die Bereiche Glas und Guss spezialisiert. Handarbeit und Tradition sind hier Alltag. Dies erlaubt ihnen auf besondere Kundenwünsche und Auftragsware aus aller Welt individuell einzugehen.

Zweimal pro Jahr bringt das Unternehmen auch eine eigene Kollektion im Rahmen ihrer Schmucklinie auf den Markt. Die Neueste mit dem Namen „pure“ dürfen wir bereits bewundern. Sie zeichnet sich durch Schlichtheit und matte Oberflächen aus, bei denen der Stein ganz im Vordergrund stehen soll – ganz im Zeichen des Trends von minimalistischen Formen.

Thomas Gubo führt uns zunächst durch die Produktionshalle in denen die ca. 40 Standardglasfarben sowie weitere Mischfarben in Griffnähe in hohen Regalen lagern. Der bunten Farbenwelt sind dabei keine Grenzen gesetzt. Diesen Rohstoff bezieht Gubo von verschiedenen Glashütten aus Süddeutschland – langjährige enge Partnerschaften prägen hier die Zusammenarbeit.

Doch schon lenkt eine brennende Flamme unsere Aufmerksamkeit auf sich. Bei diesem Bearbeitungsschritt werden die bunten Glasstäbe bei Temperaturen zwischen 600° C und 900° C erhitzt und zu einer honigartigen Masse verflüssigt. Hat das Glas einmal diese Konsistenz erreicht, so wird es auf einen, zuvor in Kaolin geschwenkten, Draht gewickelt. Um eine perfekte Perlenform zu erlangen, wird der Draht mit der Glasmasse kurzzeitig in eine Schablone gedrückt. So entstehen gleich große Perlen, die anschließend in eine Wanne mit Staub gesteckt werden. In diesem kühlen sie langsam ab.

Die entstehenden Perlenvariationen sind vielfältig und zahlreich. Die Glasstäbe können ebenfalls zu Staub verarbeitet werden, welcher dann in die Perlen eingearbeitet wird um eine besondere, individuelle Musterung hervorzurufen. Ebenso nutzt GUBO Schmuck Blattgold und Blattsilber für die Einarbeitung in das Glas und auch bemalte Perlen sind gefragt. All dies wird ermöglicht durch die konzentrierte und feinfühlige Handarbeit der MitarbeiterInnen, die jede Perle zu einem Unikat macht.

Das Unternehmen stellt allerdings nicht nur Glasperlen her, sondern auch Schmucksteine für Colliers oder Ringe. Die Prozedur ist ähnlich und unterscheidet sich darin, dass die honigartige Glasmasse mit einer speziellen Zange, von einem Werkzeugmacher in Neugablonz hergestellt, in eine Form gedrückt wird. Den möglichen Formen sind dabei keine Grenzen gesetzt, von Gesichtern bis hin zu floralen Muster ist alles möglich.

Nachdem die Perlen und Steine abgekühlt sind werden sie geschliffen und poliert. Vor allem durch die Polierung der Glassteine gelingt eine perfekte Imitation von Edelsteinen.

Zum fertigen Schmuckstück fehlt nun noch die passende Fassung. Diese entstehen in Silikonplatten bei einem Schleuderguss bei 320°C. Dabei nutzt GUBO Zinnlegierungen, da diese hautverträglich, bleifrei und leicht sind. Die Silikonplatten entwirft und produziert das Unternehmen selbst. Dafür wird für eine neue Fassung ein Originalmodell per Hand und mit Liebe zum Detail angefertigt. Auf Grundlage dieser Urform werden dann die Platten ausgesägt und gefräst. Nun steht der Produktion von Ohrsteckern, Ringschienen aber auch von eigenen Zinnfiguren wie Miniaturkühen und –einhörnern nichts mehr im Weg. Ein Großteil der Fassungen wird anschließend zu einem Neugablonzer Verbunds-Unternehmen transportiert, welche die Gold- und Silberbeschichtungen der Stücke übernimmt.

Das Zusammenfügen der Steine in die Fassungen erfolgt ebenfalls im 12-Personen Betrieb GUBO. Vier Angestellte bearbeiten nun jeden individuellen Auftrag, den die Inhaber beispielsweise von Messen zurück bringen. Die beschichteten Fassungen bekleben sie mit den gewünschten Steinen und versenden diese dann zu ihren neuen Besitzern. Dabei kommen die Aufträge aus der ganzen Welt, neben individuellen Einzelaufträgen arbeitet GUBO auch für namenhafte große Marken aus der Schmuckbranche.

Doch woher weiß man, was in der Schmuckwelt zukünftig gefragt ist? Thomas Gubo erklärt uns, dass sie u. A. die Inspiration aus Trendmagazinen aus Deutschland und Paris erhalten. Das Jahr 2019 zum Beispiel wird durch sehr schlichte Formen dominiert sein.
Auch bei ihren Messeauftritten erlangen die Inhaber immer neue Inspirationen durch den Kundenkontakt aus aller Welt.

Am Ende unseres Besuchs bei GUBO Schmuck zeigen uns Thomas Gubo und seine Frau noch ihre wertvollsten und außergewöhnlichsten Stücke im firmeneigenen Verkaufsraum und Showroom. Und wir? Kommen dabei aus dem Staunen nicht mehr heraus. Beliebt bei den Kunden sind vor allem Kombinationen aus Antiquitäten und den GUBO Perlen – welche einzigartige Stücke hervorbringen. So erzählen zum Beispiel afrikanische Perlen aus den 1920iger Jahren mit den Namen „Millefiori“ oder die berühmten Muranoglasperlen aus Venedig ihre ganz eigene Geschichte.

Wir verlassen GUBO Schmuck nicht nur mit leuchtenden Augen sondern mit einer jeder Menge Wissen – und auch Respekt, für ein Handwerk, das in Neugablonz ein kreatives und vernetztes Zuhause gefunden hat. Wer gerne selbst in die traditionelle Schmuckherstellung in Neugablonz eintauchen will, kann nach Absprache im Rahmen einer Betriebsbesichtigung in Gruppen ab 6 Personen bei GUBO vorbeischauen. Weitere Informationen unter www.gubonet.de