Brauer und Mälzer

Engelbräu: Umgeben von Bergen, Kupferkesseln & frischem Bier

Job 13: Brauer und Mälzer bei der Brauerei Engelbräu in Rettenberg

“Annabelle, wann ist es denn endlich soweit? Wann bist du endlich in der Brauerei?” – mein Opa, jedes Mal bei unserem wöchentlichen Sonntags-Telefonat.

Mission: Opa stolz machen

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich nun Ende der Woche sagen konnte: „Opa, es ist soweit“. Ich durfte endlich wieder ein solides Handwerk testen und dabei ganz frisches Bier trinken. Und zwar in einer Brauerei, die auf über drei Jahrhunderte Brautradition zurückblickt.

Mein erster Job im Jahr 2018 führt mich nämlich zur Brauerei Engelbräu in Rettenberg, ein traditionell geführtes Familienunternehmen, in dem ich den Beruf des Brauers und Mälzers testen darf. Engelbräu-Bier kennt man im Norden, wo ich studiere, nicht, dafür aber in der Region hier umso mehr und auch mir schmeckt es richtig gut. Denn getestet habe ich das Bier hier schon einige Male und zwar auf diversen Skihütten. Umso spannender für mich zu sehen, wie das eigentlich gemacht wird.

Man nehme: einen Wecker, Hopfen und Geduld

Als Brauer startet meine Schicht bereits um 4 Uhr morgens. Ich begleite den Braumeister im Sudhaus. Der steuert und überwacht nämlich den gesamten Brauprozess: vom Einkauf der Rohstoffe bis hin zur Abfüllung des Bieres.

Apropos Bier: man nehme Brauwasser, Malz, sowie Hopfen für den bitteren Geschmack und Hefe für die Gärung, und schon hat man das Grundrezept für Bier. Die einzelnen Bestandteile werden dann im Sudhaus (in Kupfer-Kesseln) vermischt, gekocht und in Tanks zum Gären bzw. Lagern weitergeleitet.

Zum Verständnis: das Sudhaus ist der Ort, in dem das Bier in Kupferkesseln, die von der Größe eher zwei Schwimmbecken gleichen, gebraut wird.

Grundsätzlich wird im ersten Sudkessel Wasser und Malz zu Maische gemischt. Anschließend wird die Maische im 2. Kupferkessel, dem sogenannten „Läuterbottich“ gefiltert. Jetzt kommt die Flüssigkeit zusammen mit Hopfen in die sogenannte Würzepfanne, und kocht dann dort, bis die gewünschte Stammwürze erreicht ist. Aha. Bier-Brauen ist schon extrem faszinierend, vor allem wenn man überlegt, dass Mönche vor vielen hundert Jahren schon Bier gebraut haben, von den chemischen Zusammenhängen aber genauso wenig Ahnung hatten wie ich. Deshalb beschränkt sich meine erste Aufgabe vor allem auf die Zugabe des Hopfens in die Würzepfanne und die Chemie überlasse ich den Profis.

Brauer und Mälzer: Langeweile ausgeschlossen

Bierbrauer geben aber natürlich nicht nur Hopfen dazu, sondern steuern und überwachen vielmehr den gesamten Brauprozess, vom Einkauf der Rohstoffe bis hin zur Abfüllung des Bieres. Genauso wichtig für gutes Bier, ist die Überwachung bzw. Beurteilung von Gerste, Weizen oder Hopfen und die Zubereitung von Malz. Das führt mich zu meiner nächsten Aufgabe: Probieren. Je länger das Bier in der Würzepfanne kocht, desto höher wird die Stammwürze und das muss in regelmäßigen Abständen getestet werden und zwar, wie könnte es auch anders sein: durch Probieren. Das was zu Beginn wie ein Gersten-Porridge schmeckt, wird zum Ende hin immer bitterer und gewinnt langsam seinen Bier-Geschmack.

Filtriertes Bier als Highlight

Das Bier verbleibt dann mit der Hefe zusammen im Gärtank und schließlich für ein paar Wochen bei 0 Grad im Lagerkeller. Jetzt heißt es für mich als Brauer also erstmal nur Warten – und den Sudkessel auskehren und ausspülen, damit der nächste Sud aufgesetzt werden kann. Um soviel wie möglich vom Job mitzunehmen, heißt es also: Gummistiefel an und ab in den Kessel.

Das fertige Bier wird nach seiner Lagerzeit filtriert. Das passiert, um die verbliebene Hefe und Eiweiß-Bestandteile auszufiltern und das Bier zu klären. Direkt nach der Filtrierung, also bevor das Bier in Fässer und Flaschen abgefüllt wird, schmeckt es am frischesten und eindeutig am besten. Bevor es also an die Abfüllung geht, darf ich erneut probieren, und ich sage euch, es schmeckt, wie der Slogan verspricht: ganz himmlisch. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass die Rohstoffe zur Herstellung ausschließlich aus kontrollierten deutschem Anbau stammen, der Hopfen aus Hallertau und aus Tettnang kommt und das Wasser aus den Quellen des Grünten. Klasse. Also, auf dich Opa!

Und was passiert mit dem restlichen Bier? Das wird nicht nur an diverse Läden und Restaurants in der Gegend geliefert, sondern auch, wie anfangs erwähnt, an Skihütten in der Region. Deshalb beschließe ich, direkt nach Feierabend Skifahren zu gehen. Ich muss immerhin testen, wie das Bier auf 1.800 Metern, nach drei Stunden schweißtreibenden Abfahrten, schmeckt. Bestimmt fast so gut wie frisch filtriert. Aber nur fast. Frisch filtriertes Bier zu trinken, bleibt wohl ein Privileg der Brauer.

JOBCHECKLISTE
Für wen ist dieser Job geeignet:

für alle, die Lust auf solides Handwerk haben und genauso viel Freude am Endprodukt haben wie ich.
Was muss man mitbringen:
sehr gute Vorkenntnisse in den Bereichen Mikrobiologie und Botanik, in Biochemie und Analytik
Vor was darf man keine Angst haben:
vor Schichtarbeit und viel Verantwortung für große Mengen Bier
Absolutes Highlight des Jobs:
das frisch filtrierte Bier testen
Tagesaufgaben in Stichworten:
Qualität von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen prüfen, den Maisch-und Kochvorgang durch Zeit-, Temperatur- und Mengenregelung führen, Klarheit und Konzentration der Würze prüfen, Wasseranalysen durchführen, die Gärung und den Filtriervorgang kontrollieren, das Bier analysieren, die Anlagen betriebsbereit erhalten.

ÜBER DAS UNTERNEHMEN
ENGELBRÄU RETTENBERG
Burgberger Straße 7
87549 Rettenberg / Allgäu

ZU DEN STELLENANGEBOTEN
Engelbräu Rettenberg: http://www.engelbraeu.de/das_unternehmen.html

Bilder
Autor
Annabelle Klage

Annabelle

Jobchallenge Allgäu

Immer auf Achse. Immer in Bewegung. Offen. Fröhlich. Viel redend. Und immer lachend. Das bin ich: Bella. Seit Oktober: Jobhopperin im Allgäu. Ich darf jetzt offiziell einfach alles auf einmal machen. Reden (viel), im Allgäu wohnen (juhuu) und 30 Jobs in 180 Tagen ausprobieren. 

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