Verkehrsleiter vom Dienst

Flughafen MM - im Kampf gegen Eis & Flugangst

Job 11: Verkehrsleiter vom Dienst am Flughafen Memmingen

„Verkehrsleiter vom Dienst, der regelmäßig bei der Feuerwehr mitwirkt“, - so die Beschreibung meines Jobs am Flughafen Memmingen. Als Kind war ich mal in der freiwilligen Feuerwehr, Fliegen finde ich faszinierend, passt also. Ein bisschen Flugangst habe ich allerdings. Deshalb die Hoffnung: vielleicht kann ich hier mit Piloten reden und so die Angst vor dem Fliegen verlieren?
 

Kaliumsalz der Ameisensäure gegen Eis auf der Startbahn. Sachen gibt’s, die gibt’s eigentlich nicht.

Zum ersten Mal am Flughafen Memmingen war ich, als die Pressekonferenz zum Auftakt der Jobchallenge stattgefunden hat. Nun bin ich wieder hier und mein erster Tag beginnt direkt mit einer Frühschicht auf dem Rollfeld. Bevor der Flughafenbetrieb startet müssen Start- und Landebahn und Rollwege abgefahren werden, um sie auf Schäden und Gegenstände oder andere Hindernisse zu kontrollieren, die dort nicht hingehören. Auch die Funktionstüchtigkeit sämtlicher Leuchten wird kontrolliert. Das mache ich mit Tobi, der Verkehrsleiter vom Dienst, der mich einarbeitet.



Keine fünf Minuten nachdem wir die Betriebsfläche eigentlich freigegeben haben, startet ein Schneesturm, der dafür sorgt, dass der Flugbetrieb bevor er losging schon wiedereingestellt werden musste. Dem Wetter ist keiner mächtig, da geht die Sicherheit vor. Sobald das Unwetter vorbeigezogen ist, hieß es für mich als Verkehrsleiter vom Dienst dann erst einmal die gesamte Betriebsfläche freischippen lassen (mit riesigen Schneefahrzeugen, nicht mit Schippe :D) und auf Glätte und Eis testen. Dafür gibt es ein weiteres Spielzeug, den Friction-Messer: Das ist ein Auto mit fünf Rädern, das auf 100 km/h beschleunigt wird, diese Geschwindigkeit über die gesamte Länge der Start- und Landebahn hält, während das fünfte Rad die Gegebenheiten des Untergrundes prüft und auswertet. Anhand der Daten wird dann entschieden, ob die Bahn gestreut werden muss oder, ob ein Abheben und Landen auch so möglich wäre. In unserem Fall wurde die Start- und Landebahn gestreut (mit einer speziellen Kaliumsalzlösung, denn Split und Salz wären für Räder, Material und Triebwerke hochgradig gefährlich) und kurze Zeit später konnte der normale Betrieb wieder aufgenommen werden.

 

Die Flughafen Feuerwehr: mein Highlight

Was hier nach Abenteuer klingt, ist Berufsalltag des Verkehrsleiters vom Dienst (kurz VvD). Dieser hat den Überblick über alle Vorgänge am Boden, kennt sich perfekt mit den Verkehrsregelung- und Sicherheitsrichtlinien aus und kümmert sich außerdem um alles, was sich innerhalb des Sicherheitsbereichs abspielt.

Im Einzelfall unterstützen die Mitarbeiter der Verkehrsleitung vom Dienst auch die Flughafenfeuerwehr. Deshalb geht es für mich (persönliches Highlight!) dann weiter in die Feuerwehrgarage: Anziehen, Aufsitzen in den riesigen Feuerwehrautos und ab aufs Rollfeld, Wasserwerfer und Schläuche prüfen (und natürlich ausprobieren).

Bisher gab es in Memmingen noch kein Unglück mit Passagiermaschinen, bei denen eine Evakuierung notwendig gewesen wäre, nichts desto trotz wird der Ernstfall hier regelmäßig in allen denkbaren Ausführungen erprobt. Die Feuerwehr muss nämlich innerhalb von drei Minuten nach Alarm am Unglücksort ankommen und bereits die Hälfte des verfügbaren Wassers, das in den Feuerwehrautos lagert, abgegeben haben. Das braucht Routine. Genauso, wird in regelmäßigen Abständen auch die Fitness der Feuerwehrmänner anhand von Belastungstests geprüft. Wahnsinn, wieviel die Männer hier wissen, können und irgendwie beruhigend in Bezug auf meine Flugangst.
 

Allround-Talent im Einsatz

Als Fazit lässt sich sagen, unglaublich, dass mir dieser extrem wichtige Job auf dem Rollfeld vorher nicht aufgefallen ist. Der VvD am Flughafen Memmingen ist sowohl Feuerwehrmann, als auch dafür verantwortlich, dass die Flüge sicher abgefertigt werden können, der Flughafen sich zu jeder Zeit in optimalem Zustand befindet und jeder Piloten-Wunsch erfüllt wird. Zusätzlich packt er überall mit an, wo seine Hilfe benötigt wird, sei es das Wechseln eines Autoreifens, das Enteisen der Flugzeuge, das Betanken der Flugzeuge oder eben ganz klassisch, das Fahren der Feuerwehrautos als Maschinist.

Handwerker willkommen

Jeder Verkehrsleiter vom Dienst und auch die meisten Feuerwehrmänner am Flughafen Memmingen haben übrigens Berufserfahrung in Bereichen, die nicht unbedingt was mit Feuer-Löschen zu tun haben, aber definitiv am Flughafen genutzt werden. Tobi ist eigentlich Schreiner, ein Kollege KFZ-Mechatroniker, und beide werden auch bei dem Bau von Büro-Schreibtischen oder mechanischen Fragen, wie zum Beispiel der Reparatur von Fahrzeugen, eingesetzt.

Während für mich schon der Stopp des Flugbetriebes wegen Unwetter ein Stresspunkt war, ist Tobi tiefenentspannt. Unvorhergesehenes wäre hier Alltag, erklärt er. Genau das mache den Job aber auch so spannend, weil man nie weiß, was als nächstes passiert. Langeweile also ausgeschlossen. Recht hat er, auf die Uhr habe ich während der Arbeit nicht einmal geschaut, mich aber wohl gewundert, wie die Zeit so schnell vorbeigehen kann.

 

JOBCHECKLISTE
Für wen ist dieser Job geeignet:
jeder der körperlich Schaffen will, Spaß an großen Motoren hat und nicht zuletzt Menschen-Leben retten will

Was muss man mitbringen:
Verantwortungsbewusstsein und jede Menge Energie.

Vor was darf man keine Angst haben:
vor großen Flugzeugen, vor Schichtarbeit und vor allem vor spontanen Angeboten, mitzufliegen.

Absolutes Highlight des Jobs:
Der Wasserwerfer des Feuerwehrautos.

Tagesaufgaben in Stichworten:
Start-und Landebahn auf Hindernisse und Beschädigungen kontrollieren, Haptik der Bahnen testen und auswerten, Flugzeuge enteisen, Flugzeuge auf Parkplätze einweisen, Jets aus den Hallen „Aushallen“, Terminal auf Sicherheit überprüfen („Bestreifung“), in Notfällen mit der Feuerwehr ausrücken.

ÜBER DAS UNTERNEHMEN
Flughafen Memmingen GmbH
Am Flughafen 35
87766 Memmingerberg

ZU DEN STELLENANGEBOTEN
https://www.allgaeu-airport.de/home/unternehmen-karriere/karriere/

Bilder
Autor
Annabelle Klage

Annabelle

Jobchallenge Allgäu

Immer auf Achse. Immer in Bewegung. Offen. Fröhlich. Viel redend. Und immer lachend. Das bin ich: Bella. Seit Oktober: Jobhopperin im Allgäu. Ich darf jetzt offiziell einfach alles auf einmal machen. Reden (viel), im Allgäu wohnen (juhuu) und 30 Jobs in 180 Tagen ausprobieren. 

Folgen Sie Annabelle auf: