Zwei Weltenbummler kehren in die Heimat zurück, vielleicht eines ihrer größten Abenteuer

Heimkommen

Go-Backpacking - Ines & Sam haben sich den Traum einer Weltreise erfolgreich erfüllt und kehren nach 2 Jahren und 68 besuchten Ländern nach Hause zurück - ins Allgäu. Eine Rückkehr die viel Vorfreude und ganz neue Wertschätzung zur eigenen Heimat auslöst. Hier ihre ganz persönlichen Eindrücke:

Ganze 29 Mal sind wir in den letzten 2 Jahren in den Flieger gestiegen, sind einmal um den Globus gereist und haben uns mit der Reise um die Welt unseren allergrößten Traum erfüllt. Das Fliegen wurde für uns fast so normal wie Bus fahren. Einsteigen, Zeit vertreiben, Aussteigen – Hallo neuer Ort. Hallo neues Abenteuer.

Doch dieses Mal war ein richtiges Erdbeben an Kribbeln dabei. Eigentlich suspekt, wir flogen nicht an ein lang ersehntes Reiseziel, wo wir solche Gefühle viel mehr erwarten würden, sondern dieses Mal hieß unsere Destination ein längst bekanntes Ziel – die Heimat. Und trotzdem war ein richtiges Gefühlschaos in uns drin. 2 Jahre waren wir nun schon nicht mehr daheim im Allgäu gewesen. Wird sich was verändert haben? Wie wird es sich anfühlen, wieder nach Hause zu kommen? Was haben wir alles verpasst?

Wir waren wahnsinnig aufgeregt!

Langsam kamen wir unserem Ziel immer näher. Wir überlegten uns, ob wir schon mal so aufgekratzt vor einer Landung gewesen waren. Weder nach den heftigen Turbulenzen über Kathmandu, noch unser erster Flug zu Beginn der Weltreise nach Bishkek hatte bisher solche Gefühle in uns ausgelöst. Wie zwei kleine, hibbelige Kinder, die vor dem Weihnachtsbaum hocken, strahlten wir uns gegenseitig an und malten uns das „heimkommen“ aus. Was würden wir als erstes machen?

Doch zurück in unsere Gefühlswelt: Im einen Moment überwog die unbändige Vorfreude. Gleich würden wir unsere Eltern, Familie  und Freunde überraschen. Im anderen Moment wurde diese Vorfreude aber auch durch ein inneres Stechen gestört „War’s das jetzt? Ist das große Abenteuer vorbei? Was kommt jetzt?“. Es war kein lang ersehntes Heimkommen nach einer schrecklichen Zeit, ganz im Gegenteil, wir hatten die Zeit unseres Lebens gehabt. Und auch sonst waren wir nie von Heimweh geplagt. Diese Gefühle bei einem Rückflug waren für uns somit komplett neu.

„Willkommen im Allgäu“ – „Willkommen daheim!“

Mit strahlenden Gesichtern liefen wir durch die Empfangshalle und direkt in die Arme von unserem Freund Stefan, den wir als Einzigen eingeweiht hatten. Wie lange wir uns schon nicht mehr gesehen hatten, doch es war alles gleich. Als wären wir nie weg gewesen. Nur dass wir uns eben ein klitzekleines bisschen mehr freuten uns zu sehen, als sonst, wenn wir abends mal für ein, zwei Stündchen vorbei gekommen waren. Beim Verlassen des Flughafens kitzelte die Abendsonne unsere Gesichter, als würde auch sie sagen „Schön, dass ihr wieder da seid!“.

Mit dem Auto ging es quer durchs Allgäu, über Straßen, die wir schon so oft gefahren waren, unsere früheren Arbeitswege, vorbei am Fitnessstudio und am früheren Lieblingscafé. Alles sah noch gleich aus, so bekannt. So vertraut. Wir spürten eine gewisse Erleichterung. Dann entdeckten wir Neues. Die Bäckerei gab es doch früher nicht und dieses Gebäude kennen wir auch nicht? Coworking spaces im Allgäu? Seit wann sind wir so innovativ und modern? Und wie schön sieht man hier eigentlich die Alpen! War das schon immer so? Ist uns das früher vielleicht gar nicht mehr aufgefallen?

Eine halbe Stunde später standen wir vor der Haustüre meiner Eltern. Das Erdbeben an Kribbeln während dem Einsteigen in den Flieger war lächerlich im Gegensatz zu jetzt. Und unsere Herzen klopften heftig, als wir auf die Klingel drückten. Wir hatten alles perfekt geplant und standen jetzt pünktlich zu Papas sechzigstem Geburtstag vor der Türe. Ein besseres Geschenk hätten wir ihm wohl kaum machen können.

Wiedersehen nach einer so langen Zeit sind schön. Wunderschön.

Bis spät in die Nacht saßen wir noch zusammen und mussten darüber schmunzeln, dass jeder zweite Satz meiner Eltern war „Ich kann es einfach nicht fassen, dass ihr wieder hier seid“.

Die nächsten Tage überraschten wir noch weitere Familienmitglieder und Freude – und schließlich auch uns selbst. Einiges war uns während der Reise aufgefallen, das wir vermisst hatten: Spätzle mit Soße, die Ordentlichkeit auf Ämtern, gutes Bier. Doch einiges wurde uns jetzt erst bewusst: Die Berge, die Natur, unsere Heimatstädtchen. Hatten wir schon 68 Länder gesehen, viele davon sehr intensiv, so hatten wir eines immer verpasst: die eigene Heimat.

Wo uns früher ausschließlich exotische Reiseziele im Kopf herumgeschwirrt waren, waren es plötzlich die Berge, die man vom Küchenfenster aus sehen konnte, die, die es uns angetan hatten. „Lass uns da hinauf!“. Zwar haben wir immer noch diese unbändige Reiselust in uns, jedoch hat uns das Heimkommen auch ein bisschen die Augen geöffnet. Das was immer da war, war nun aufregend und neu. Und unser nächstes Abenteuerziel lag keine tausende Flugmeilen mehr entfernt, sondern ganz einfach in unserer Nachbarschaft.

Unsere Heimat wussten wir nach ein paar Tagen komplett neu zu schätzen. Dieser Luxus, direkt hinter dem Haus ein Wintersportparadies zu haben, einfach rauszugehen und mitten in der unberührten Natur zu sein. Tief durchzuatmen, ohne die ganzen Schadstoffe in der Luft in den Großstädten mit einzuatmen. Die Ruhe im Grünen und die Geselligkeit in den Wirtshäusern und auf den vielen Festen. Bergtouren im Frühling, Grillabende am See im Sommer, Viehscheid im Herbst und meterhohen Schnee im Winter. Wir mussten zugeben, so gern wir die Dauerwärme auf den anderen Kontinenten auch mochten, die Jahreszeiten sind doch das, was die Jahre so besonders macht. Jede hat seinen eigenen Reiz und auf jede freuen wir uns mindestens genauso sehr.

Immer wieder wurden wir gefragt „Ist es nicht schlimm wieder hier zu sein? Ihr habt so viel gesehen und erlebt.“ – Unsere Antwort war jedes Mal exakt dieselbe: Ganz und gar nicht! Es tut einfach unglaublich gut, seinen größten Wunsch in Erfüllung gebracht zu haben und wir sind stolz darauf, Dinge nun neu wertzuschätzen. Früher war für uns absolut klar, dass wir für das Studium in eine Metropole ziehen. Berlin, Hamburg, Köln – das waren unsere Wunschorte. Nur dort kann man Karriere machen und jeden Tag das machen, was man wirklich will. Doch heute denken wir da ganz anders darüber. Auch hier, daheim, kann man sich weiterentwickeln. Auch hier ist die Moderne angekommen. Auch hier kann ich jeden Tag das machen, was ich will. Und dazu kommt das großartige Plus: die Nähe zur Natur.

Wir sind heimgekommen. Wir sind angekommen.

„Heimkommen“ – Laut Duden bedeutet es folgendes: nach Hause kommen; an seinen Heimatort, in die Heimat zurückkommen. Für uns bedeutet es Glücksgefühle, eine ganz neue Art von Nervosität, Herzsprünge, Freudentränen.

In Kooperation mit Go-Backpacking 2019

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.